Die ruhige Zeit an der Nordsee genießen

Eine Woche Winterurlaub an der Nordsee kann sich in Hinblick auf den Erholungseffekt mit zwei Wochen im Sommer locker messen. Wer frische Kräfte tanken und dabei entschleunigen möchte, wird diese Jahreszeit besonders schätzen. An beliebten Urlaubszielen wie etwa dem Nordseebad Otterndorf geht es jetzt deutlich entspannter, familiärer und gemütlicher zu als während der trubeligen Wochen im Sommer. Die frische Brise und die klare Winterluft tun Körper und Seele gleichermaßen gut. Und Langeweile wird auch in der vermeintlich stillen Nebensaison nicht aufkommen: Für Abwechslung und viel Programm vor und hinter dem Deich ist gesorgt.

Aktiv vor und hinter dem Deich

Keineswegs nur Allergiker wissen die reine, jodhaltige Luft zu schätzen. Gerade rund um Otterndorf kann man sich bei langen Spaziergängen entlang des Deichs eine ordentliche Portion davon gönnen, auch beim Nordic Walking oder Joggen kommen Aktive auf ihre Kosten. Und selbst vor den Deich, auf das Terrain des Wattenmeeres, können sich Urlauber im Winter wagen: Regelmäßig gibt es geführte Wattwanderungen, die faszinierende Natureindrücke und unzählige Fotomotive bieten. Warme Kleidung und Gummistiefel oder anderes festes Schuhwerk sind bei diesen Touren ein Muss, wenn bei jedem Schritt der frostige Schlick knirscht. Mehr Tipps und Informationen, auch zu Unterkünften von der gemütlichen Pension bis zum alleinstehenden Ferienhaus für die ganze Familie, gibt es unter www.otterndorf.de oder telefonisch bei der Tourist-Information unter 04751-919131.

Aufwärmen und entspannen

Nach Aktivitäten an der frischen Luft tut es gut, sich aufzuwärmen. Viele der gemütlichen Cafés und Restaurants in der Otterndorfer Innenstadt sind auch im Winter geöffnet. Bei frostigen Außentemperaturen schmeckt ein „Grog“ – bestehend aus Rum, Zucker und heißem Wasser – erst so richtig gut.
Mit warmen Temperaturen verwöhnt die großzügige Saunalandschaft der Sole-Therme. Und auch Kindern wird beim Winterurlaub an der Nordsee nicht langweilig: Sie können in der Badelandschaft abtauchen oder ganzjährig in der Spiel- & Spaß-Scheune toben.

Die Halligen im Wattenmeer

Hinter dem Deich ist noch nicht Schluss, hinter dem Deich liegen das Wattenmeer und die wundersame Welt der Halligen – weltweit einzigartig. Diese Halligen sind kleine Flecken Land in der Nordsee im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer (gehören allerdings nicht zum eigentlichen Schutzgebiet). Weit weg vom Rest der Welt und drum herum Naturschönheiten, die ihresgleichen suchen. Und das Watt selbst ist ein Raum des Wandels und des Übergangs; amphibisch – nicht mehr Land, noch nicht Meer. Vielfältig, faszinierend und ein Freiraum, um Neues und Spannendes zu entdecken und zu genießen. Mit allen Sinnen Natur erleben. Nicht nur mittendrin sein, sondern auch mit ihrem Rhythmus leben: Das bieten Halligen im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer – und die Nationalpark-Partner dort heißen Sie herzlich willkommen!

Die Reise kann gut in Breklum nahe Bredstedt beginnen. Vor den Halligen und schon abseits vom alltäglichen Getöse liegt das Christian Jensen Kolleg, ein ökumenisches Tagungszentrum. In den schönen Zimmern, modern und in nordischer Klarheit eingerichtet, kann jeder Gast übernachten, auch ohne Kolleg-Programm. Es ist ein schöner Ort, um in Richtung UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer und auf die Halligen zu starten. Es gibt – und das ist eine angenehme Ausnahme – keine Fernsehgeräte auf den Zimmern, dafür einen Park zum Spazierengehen. Das Kolleg ist auch ein Ort zum „Runterkommen“, ein Platz, so Geschäftsführer Stefan Schütt, um „…für die Seele Sorge zu tragen“.

Das Christian Jensen Kolleg ist Nationalpark-Partner und in bester Gesellschaft. Von hier aus kann es also losgehen. Zum Beispiel mit der Nationalpark-Watt- und Gästeführerin Christine Dethleffsen zur Hallig Südfall. Oder zur Hamburger Hallig radeln und dort hervorragend essen. Oder von Schlüttsiel aus mit Kapitän Petersen ins Wattenmeer und zu den Halligen fahren. Nach einer Nacht im Kolleg ist man entschleunigt, frei vom Getöse und bereit für diese Reise. (www.christianjensenkolleg.de)

Nationalpark-Watt- und Gästeführerin Christine Dethleffsen sammelt die Gruppe auf dem Deich von Fuhlehörn / Nordstrand. Sieben Kilometer weiter westlich schimmert die Hallig Südfall im Wattenmeer, das Ziel der heutigen Tour. Die Menschen marschieren dem ablaufenden Wasser hinterher. Links ist im Dunst die Halbinsel Eiderstedt zu erkennen. Zweieinhalb Stunden dauert der Gang über den Meeresboden – und führt entlang einer sagenhaften Siedlung, einst Rungholt genannt. Untergegangen in einer mörderischen Orkanflut vor sieben Jahrhunderten und noch heute seltsam lebendig, wenn man den Geschichten von Nationalpark-Partnerin Christine Dethleffsen lauscht und auf die Zeugnisse dieses untergangenen Landes achtet.

Noch immer eilt das Wasser in den Prielen des Wattenmeeres der Nordsee mit seltsam starkem Zug hinterher, „…bei Flut steht das Wasser hier zwei Meter hoch.“ Es ist ein schaurig-schönes Gefühl, dort unterwegs zu sein, wo der Mensch eigentlich nicht hingehört. Eine Ödnis auf den ersten Blick, tatsächlich jedoch einer der produktivsten Lebensräume der Erde. Christine Dethleffsen möchte auch das Kleine zeigen auf dieser Tour. Keine Frage, Robben und Seehunde sind schön und spektakulär, sind Sympathieträger, auch deshalb kommen Besucher in den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Und der Wattwurm, der Krebs? „…sind genauso wichtig. Und sicher nicht weniger interessant. Ich möchte euch auf dieser Tour auch die so genannten Small Five zeigen, wir nennen sie so nach dem Vorbild der berühmten Big Five der Safaris.“

Sagt es und hebt was auf. Als da wären: die Kleinen auf der großen Bühne – Krabbe und Krebs, Wattwurm und Wattschnecke, die Herzmuschel. Christine Dethleffsen erklärt und das macht neugierig. „Ich möchte meine Gäste sensibilisieren für das vermeintlich Unspektakuläre. Alles ist interessant!“ Ganz sicher ist es das, wenn Experten wie die Nationalpark-Partner hinführen. Sie sammelt die Gruppe kurz vor der Hallig eng zusammen. „So, und jetzt gehen wir hier schnell durch und trödeln nicht ´rum. In der Wiese leben Regenpfeifer und Seeschwalben – da müssen wir nicht unnötig stören.“ Und schließlich warten Gunda und Gonne Erichsen, die beiden Halligwarte und einzigen Bewohner, schon mit Kaffee und Kuchen.

Die Sommerabende an der Nordsee sind lang und die Gruppe macht sich auf den Heimweg. „Das ist meine liebste Zeit“, sagt Christine Dethleffsen, „alles wird ruhig im Watt und die Sonne zaubert ein sanftes, warmes Licht. Am schönsten sind die Wattführungen mit Sonnenuntergang – dann sind wir auch ganz allein im Watt.“ Ein tiefer Frieden, eine umarmende Stille. „Seid mal still und macht die Augen zu. Was hört ihr? Was riecht ihr?“ Es gibt nur eine Möglichkeit, dies herauszufinden: man muss hin in diesen großen, weiten Raum, sich öffnen und entdecken. (www.watt-wandern.de)

Entdecken lässt sich diese Nationalparkregion auch kulinarisch – also mit allen Sinnen erleben. Mit dem Fahrrad kann man von Nordstrand prima nach Norden radeln, vom Deich reicht der Blick weit hinaus auf das Wattenmeer, über die See. Der Wind weht den Geruch von Schafen, Wiese und Nordsee vorüber. Dann ist der Abzweig zur Hamburger Hallig erreicht. Der Weg führt hinunter in die Salzwiese und vier Kilometer weit in die scheinbare Unendlichkeit. Am Ende des Weges erhebt sich ein reetgedecktes Haus, strahlt mit weißgekalkten Wänden vor dem Sommerhimmel. Eine Parade Fahrräder lehnt am Geländer, Besteck klappert, verhaltenes Stimmengewirr. Willkommen auf der Hamburger Hallig, willkommen im „Hallig-Krog“.

Die Anfahrt hierher lohnt sich nicht nur wegen der Natur oder der einzigartigen Lage im Weltnaturerbe Wattenmeer, der „Hallig-Krog“ selbst ist einen Ausflug wert. Erik Brack, im wahren Wortsinn ausgezeichneter Koch und neugierig dazu, arbeitet handwerklich auf höchstem Niveau – und am liebsten mit dem, was die Region anbietet; das ist Garant für guten Genuss. „Der Gast erwartet hier eher Brathering als Dorade. Er erwartet regionale Zutaten und nicht solche aus der ganzen Welt. Ich mache mir Gedanken, was ich mit dem anfangen kann, was hier vor Ort wächst“, sagt der Nationalpark-Partner. Und das ist eine Menge mehr, als man denkt.

Ein kreativer Koch und eine vielfältige Natur – mehr braucht es nicht, um auf eine kulinarische Entdeckungsreise zu gehen. Knackiger Tang etwa, bezogen aus entsprechenden Zuchtbetrieben, ist ein wohldosierter Bestandteil neben Blattsalaten, Krabben und Dinkelbaguette. Er schmeckt leicht nach Jod und nach Meer (aber nicht nach Fisch); er schmeckt so, wie eine kräftige Brandung riecht. Mal etwas anderes, sehr authentisch.

Wer den Hallig-Krog schon lange kennt, freut sich, dass es den Klassiker Lammfrikadellen noch immer gibt. Apropos Lamm: „Wir räuchern Fleisch vom hiesigen Lamm über Heuschnitt vom Deich, damit wird es quasi parfümiert.“ Die Gerichte sind stimmig und spiegeln die Region wieder, das Ambiente im Krog ohnehin. „Stimmig ist auch die Nationalpark-Partnerschaft“, sagt Erik Brack, „das ganze Gefüge passt – ein schöner Ausflug, und vorher oder danach ein passendes Essen dazu!“ (www.hallig-krog.de)

Das Essen und dieser Ort mit dem Blick auf das „Halligmeer“ sind anregend und wecken die Lust auf weitere Entdeckungen im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer. Zum nächsten Nationalpark-Partner ist es nicht weit. Kapitän Uwe Petersen steuert die „MS Rungholt“ von Schlüttsiel ins Wattenmeer, die beiden Halligen Gröde und Oland sind das Ziel. Immer deutlicher tauchen die Warften der Halligen auf – Hallig Habel links, Nordstrandischmoor und Hooge voraus, Langeneß steuerbords. Wind wühlt die See auf, es riecht nach Meer. Wer mag, kann sich ein Fernglas ausborgen und in dieses Vogelparadies blicken. Die Halligen, Watten und Sandbänke sind Rast-, Nahrungs- und Ruheplatz für Vögel. Zu sehen gibt es immer etwas und im Herbst und Frühling machen hier riesige Schwärme Station. Gucken und Staunen von der Reling aus. Dann entlässt Kapitän Uwe seine Gäste für eine Stunde auf die Hallig Gröde.

Später, alle sind nach dem Ausflug wieder an Bord, erklärt er, warum die Halligen, vom Umwelt- und Naturschutzgedanken einmal abgesehen, so wichtig sind: „Halligen sind Küstenschutz! Sie brechen die Wellen, nehmen der Nordsee bei Sturmfluten ihre zerstörerische Kraft.“ Der Seegang hat zugenommen, schnelle, kurze Wellen klatschen an den Rumpf. „Hier treffen sich zwei Strömungen, da wird die See schon mal rauer“, erklärt Petersen.

Zwei Strömungen trafen sich hier auch in den 1980er Jahren. „Als es damals um die Zusammenarbeit mit dem entstehenden Nationalpark ging, stellte sich doch für jeden Beteiligten die Frage: Was kann man machen und wie? Ich stehe hinter dem Naturschutzgedanken“, sagt der Kapitän, und ein wenig Stolz auf „seinen“ Nationalpark merkt man ihm an, wenn er von den Halligen und ihrer einzigartigen Natur erzählt. Oder von den Seehunden, zu denen er mit Gästen ebenfalls fährt, „Eine intakte Natur ist natürlich auch in meinem Interesse, deswegen achte ich darauf – das ist schließlich meine Heimat!“ Und deswegen ist auch Kapitän Uwe Petersen mit seiner kleinen „MS Rungholt“ Nationalpark-Partner.

Er steuert das Schiff in das enge Fahrwasser Richtung Hallig Oland, dort ist er geboren und aufgewachsen. Auch für diesen Besuch gibt Käpt´n Petersen Tipps, wieder gehen die Gäste auf eine kleine Entdeckerreise in die geheimnisvolle Halligwelt. „Eine Partnerschaft ist auch ein ständiger Prozess des Austauschens“, sagt Uwe Petersen, „wir können mitreden und mitgestalten.“ Und morgen geht es zu den Sandbänken vor Langeneß. Nur nicht zu nahe – denn da liegen die Seehunde und ruhen sich aus. Und wer wüsste besser wo, wie und wann als der erfahrene Kapitän; als der, der hier zuhause ist. Nationalparkpartner – eine Partnerschaft für Mensch und Natur. (www.halligmeerfahrten.de)

Ein solcher Ausflug in das einzigartige Naturwunder Wattenmeer ist faszinierend. Zu sehen und zu erleben, das dürfte jetzt klar sein, gibt es genug – und gute Gründe, zur Hallig Hooge zu fahren. Das Wattenmeer ist auch deshalb zum Nationalpark erklärt worden, weil es für den Vogelzug von zentraler Bedeutung ist. „Jeden Frühling und Herbst rasten im gesamten Weltnaturerbe Wattenmeer zehn bis zwölf Millionen Zugvögel. Das Wattenmeer produziert eine enorme Menge an Biomasse, für die Vögel eine unersetzliche Nahrungsgrundlage während ihres Zuges. Das Wattenmeer mit seinen ungestörten Räumen ist gewiss ein Rast- und Ruheplatz; es ist aber vor allem ein Ort, um sich satt zu fressen“, erklärt Michael Klisch. Er leitet den Standort Hooge der Schutzstation Wattenmeer: ein Ort zum Erfahren und zum Erleben. Jedes Jahr verbringen dort mindestens fünf junge Leute ein freiwilliges Jahr. Motiviert und leidenschaftlich führen sie Besucher ins Watt, in den Nationalpark hinaus und, zum Beispiel beim Blick durch das Mikroskop, in die Welt des Wissens hinein. Wattwurm & Co. werden schnell übersehen, ohne sie gäbe es jedoch kein Watt und keinen Stopover beim Vogelzug an der Nordseeküste.

Der Nationalpark Wattenmeer in Schleswig-Holstein ist aus jeder Perspektive pure Faszination. Wer das Watt im Großen wie im Kleinen entdecken möchte, ist bei erfahrenen Nationalpark-Partnern wie der Schutzstation Wattenmeer bestens aufgehoben. Und warum? Abseits vom Fachwissen hat Michael Klisch einen ganz einfachen, ehrlichen Grund: „Wir sind von der Natur reich beschenkt, das möchten wir gern teilen!“ Und es lohnt sich, dieses Angebot anzunehmen: „Wir wollen heute zwei Stunden in das Wattenmeer hinausgehen“, sagt Niclas Niederdrenk. Der junge Mann verbringt seinen Bundesfreiwilligendienst bei der Schutzstation Wattenmeer auf Hooge und möchte heute die Gäste mit der Vogelwelt bekannt machen. „Wir haben im Wattenmeer das ganze Jahr eine große Zahl an Vögeln und Arten, hier gibt es immer etwas zu sehen“, weiß Niclas und es geht los. Über den Sommer kann man zum Beispiel Säbelschnäbler und Sandregenpfeifer beobachten – die sind jetzt als Brutvögel hier. „Und im Frühjahr und Herbst sieht man große Schwärme an Knutts und Alpenstrandläufern, wie sie gemeinsam ihre Formationen fliegen.“

Auf einer Sandbank trippeln gesellige Vögel hin und her; schwarz-weißes Gefieder, orangeroter Schnabel, rote Beine. „Das sind Austernfischer“, erklärt Niclas. Vogelfaszination zu jeder Zeit. Niclas hat noch etwas: „Mit Glück können wir hier im Nationalpark ein tolles Naturschauspiel sehen: wenn ein Schwarm Goldregenpfeifer bei tiefstehender Sonne sein Himmelsballett aufführt und in das passende Licht gerät, dann schimmert der ganze Schwarm wie Gold!“ Und die Gäste geraten bei tiefstehender Sonne ebenfalls ins Schwärmen, weit draußen im UNSECO-Weltnaturerbe Wattenmeer. www.schutzstation-wattenmeer.de/unsere-stationen/hooge

Weitere Informationen:

Vögel kann man im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer das ganze Jahr über beobachten – die „Hoch“-Zeit allerdings ist die des Vogelzuges. Mit der Veranstaltungsreihe „Westküsten-Vogelkiek“ feiert die Nationalparkverwaltung gemeinsam mit verschiedenen Partnern dieses herbstliche Ereignis mit einer Vielzahl an Veranstaltungen. Vom 30. September bis 8. Oktober können Interessierte bei Führungen und Vorträgen, Ausflügen und Aktionen an der Festlandsküste und auf den Halligen die Geheimisse der Vogelwelt erkunden. www.westkuesten-vogelkiek.de

Urlaub bei den Nationalpark-Partnern: Seit 2003 werden im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer Partnerschaften vergeben. Ein Programm, das für die Zusammenarbeit zwischen der Nationalparkverwaltung, Gemeinden, Naturschutzverbänden und touristischen Betrieben der Region steht, die sich für den Nationalpark einsetzen. Die Küstenlandschaft und das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer zu erhalten und sie den Gästen der Westküste erlebbar zu machen ist das Hauptziel der Partnerschaft. Mehr als 160 Partner – Hotels, Restaurants, Reedereien, Gästeführer und Co. – sind mittlerweile als Botschafter der Nationalpark-Idee unterwegs. Jeder Aufenthalt bei einem Nationalpark-Partner unterstützt daher den Schutz dieser einzigartigen Naturlandschaft. Denn: Sie l(i)eben das Wattenmeer. www.nationalpark-partner-sh.de

Herbst auf Amrum

Auf der nordfriesischen Insel Amrum ist es im Herbst viel ruhiger als in der trubeligen Hauptsaison. Viele Gäste reisen daher speziell zur Nebensaison an und machen es sich dann ungestört im windgeschützten Strandkorb gemütlich, während eine steife Brise für Wellengang und Brandungsrauschen sorgt. Wird der Wind heftiger, kann auch der sogenannte Kniepsand, eine zehn Quadratkilometer große Sandbank vor der Westküste, vom Wasser überspült werden. Wahrzeichen der Insel sind der 42 Meter hohe Leuchtturm auf einem Dünenhügel bei Wittdün, die historische Windmühle bei Nebel und die St. Clemens-Kirche ebenfalls in Nebel. Vom Leuchtturm aus kann man bei klarer Sicht bis zum Festland blicken. Informationen dazu gibt es unter www.amrum.de und unter 04682-94030.

Wattwanderungen nun auch im Herbst und Winter

Eine Wattwanderung von Amrum nach Föhr ist ein besonderes Erlebnis, seit einem Jahr kann man die Tour auch im Herbst und im Winter erleben. Ausgestattet mit Wathosen und Rucksäcken geht es in kleinen Gruppen durch das Wattenmeer. Die Strecke führt überwiegend über angenehm zu laufende Sandwatten. Allerdings müssen auch zwei Priele durchquert werden – spätestens nun wird man den Nutzen der Wathosen erkennen. Insgesamt dauert die Wattwanderung etwa zweieinhalb Stunden, von Wyk auf Föhr geht es mit der Fähre zurück nach Amrum. Für Kinder unter zwölf Jahren ist die Wattwanderung im Übrigen nicht geeignet.

Ein Pottwal für Amrum

Eine neue Attraktion wird auf Amrum vermutlich ab Ende September 2017 zu sehen sein: Ab dann will das Naturzentrum Amrum das Skelett eines Pottwaljungbullen in der ehemaligen Norddorfer Schwimmhalle ausstellen. Sechs Wochen haben zwei Präparatoren für das Puzzle gebraucht. Wirbel, Schädel, Rippen, Brustbein und Arme – knapp über 150 Teile mussten zusammengefügt werden, für den 750-Kilo-Schädel war der Bau eines Gerüsts notwendig. Zur Ausstellung des Skeletts gehören eine Walstimme und Exponate zur Walfängerhistorie.

Eiergrog aus dem Friesen-Café

Kulinarische Spezialitäten sind etwa die Friesentorte oder der deftige Grünkohl. Bei kühleren Temperaturen kann man sich mit wärmenden Getränken einheizen – beliebt sind etwa der „Pharisäer“ oder der Eiergrog. Frisch zubereitet gibt es ihn im Friesen-Café (www.eiergrog.de). Hier hat man auch das Originalrezept: Ein feuerfestes Glas in der Mikrowelle erwärmen. Das Eigelb eines Eis mit 1 bis 1,5 EL Zucker in das erhitzte Glas geben und mit einem Schneebesen schaumig rühren. Danach mit einem Teelöffel 4 bis 8 cl stark erhitzten Rumverschnitt unter ständigem Rühren hineingeben. Mit 6 cl heißem Wasser je nach Geschmack und gewünschter Alkoholstärke auffüllen.

Sonnenuntergang an der Nordsee

Die Nordseeküste Schleswig-Holsteins mit ihren breiten Strandabschnitten in Richtung Westen bietet beste Voraussetzungen um spektakuläre Sonnenuntergänge über dem Meer zu beobachten. Mal geht die Sonne als glutroter Feuerball unter, mal versteckt sie sich hinter Wolken und malt faszinierende Farben an den Himmel, aber immer sind atemberaubende Naturerlebnisse garantiert, wenn die Sonne in die Nordsee fällt. Erst glitzern Watt und See silbrig, später golden. Das Meer kommt zur Ruhe und scheint auszuatmen. Der perfekte Moment um das Naturschauspiel in trauter Zweisamkeit zu genießen. Nachfolgend sind die besten Tipps für romantische Sonnenuntergänge an der Nordsee zusammengestellt.

Einzigartig in SPO – Die hölzernen Strandbuden
Längst sind sie zum Wahrzeichen St. Peter-Ordings geworden: die 7 Meter hohen Pfahlbauten, die seit mehr als 100 Jahren das Strandbild prägen. An jedem Strand in Ording, Bad, Dorf und Böhl befinden sich Pfahlbauten nah an der Küste, in fünf von ihnen finden sich heute Restaurants, die den ein oder anderen Gaumenschmaus für Gäste und Einheimische zubereiten. Dabei hat jedes der Pfahlbau-Restaurants einen ganz eigenen Charakter und ist auch unabhängig vom Strandtag einen Besuch wert. Hier kann man mit bester Aussicht auf die Nordsee lecker essen gehen und auf den Terrassen den Ausblick auf den Sonnenuntergang genießen.
Weitere Informationen unter: www.st-peter-ording.de

Romantische Plätze für den Sonnenuntergang auf Sylt
Das Strandbistro Kap-Horn bietet absolute Wohlfühl-Atmosphäre in direkter Lage am Weststrand inmitten der Hörnumer Dünen. Am besten genießt man einen der grandiosen Sonnenuntergänge von einem der gemütlichen Strandkörbe aus. Den Abend mit einem leckeren Essen, einem Glas Weißwein und einer Brise Nordsee ausklingen lassen, das ist eines der romantischsten Dinge die Sylt zu bieten hat. Weitere Informationen unter www.kap-horn-sylt.de

Der Ellenbogen bezeichnet den nördlichen Zipfel der Insel Sylt. Wer am Ellenbogen steht, darf sich stolz als nördlichster Mensch Deutschlands bezeichnen. Die stellenweise nur 300 Meter schmale, lang gestreckte Halbinsel besticht durch ihre urwüchsige, ausgedehnte Dünenlandschaft. Wer also ein paar romantische Stunden zu zweit erleben möchte, der sollte sich einen Picknickkorb packen und den Sonnenuntergang am Ellenbogen genießen.
Weitere Informationen unter: www.sylt.de

Den Sonnenuntergang auf Föhr erleben
Im Westen der Nordseeinsel Föhr lassen sich mit grandiosem Blick auf die beiden Nachbarinseln Amrum und Sylt traumhaft schöne Sonnenuntergänge beobachten. Allabendlich geht hier die Sonne direkt zwischen den beiden Nachbarinseln unter und reflektiert ihre Farben in der Nordsee – mal tiefrot, mal leuchtend gelb. Bei diesem wunderschönen Anblick ist nicht nur der Trubel des Alltags sofort vergessen – auch die Glückshormone sprudeln kräftig. Die besten Spots auf Föhr dafür sind die kleine Seebrücke sowie der Sandstrand vor dem Haus des Gastes in Utersum oder der Deich in Groß-Dunsum. Tipp: In den Sommermonaten rechtzeitig einen Platz sichern und ein kleines Picknick mitnehmen. Oder gleich eine Nacht im Schlafstrandkorb am Strand von Utersum verbringen und mit Meeresrauschen einschlafen. So wird jeder Sonnenuntergang zum doppelten Genuss.
Weitere Informationen unter: www.foehr.de/schlafstrandkorb

Sonnenuntergang über dem Husumer Binnenhafen
Einzigartig maritim ist der Sonnenuntergang über dem Husumer Binnenhafen. Die malerische Kulisse lädt tagsüber zum Bummeln und Flanieren ein, abends lohnt sich ein Abstecher in eines der zahlreichen Restaurants oder eine urige Hafenkneipe. Pünktlich zum Sonnenuntergang entstehen je nach Licht-, Gezeiten- und Wolkenspiel immer wieder faszinierende und wunderschöne Bilder. Tipp: Der Turm vor dem neuen Rathaus bietet einen guten Aus- und Überblick und eignet sich besonders gut zum Fotografieren.
Weitere Informationen unter: https://www.husum-tourismus.de/

Sonnenuntergang im Biosphärenreservat „Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen“
Fernab von Stress und Trubel lässt sich der Sonnenuntergang auf der Hamburger Hallig erleben. Sie ist ein wichtiges Vogelschutzgebiet und mit Wattwerkstatt, Badestelle und der urigen Gaststätte „Hallig Krog“ (geöffnet von Frühjahr bis Herbst) ein beliebtes Ausflugsziel für Besucher. Die Hallig bietet einen unbeschreiblichen Blick auf das UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer und auf fast alle weiteren Halligen im Wattenmeer.
Weitere Informationen unter: www.nordfrieslandtourismus.de

Sonnenuntergang über der Familienlagune Perlebucht in Büsum
Auf der Dachterrasse der Beach Bar findet sich der schönste Platz für den berühmten Büsumer Sundowner – sozusagen die 1. Reihe für den Blick auf den Sonnenuntergang. Hier gibt es leckere Drinks, bequeme Liegestühle und eine ganz besonders relaxte Stimmung um gemütlich zu klönen, sich gegenüber zu sitzen und tief in die Augen zu schauen und gemeinsam diesen Moment zu erleben. Wenn die Sonne dann schlussendlich als roter Ball in der Nordsee versunken ist, wird es immer ruhiger auf der Watt’n Insel. Wer das romantische Nordsee-Gefühl mit in die Nacht nehmen will, schläft direkt am Strand im Schlafstrandkorb. Der 1,30 m breite Strandkorb eignet sich perfekt für zwei Personen und lässt sich wind-, wetter-und blickdicht verschließen. Man kann ihn für eine Nacht mieten und mit dem Meeresrauschen im Ohr einschlafen.
Weitere Informationen unter: www.familienlagune.de oder www.strandschlafen.de

Zum Sonnenuntergang auf die Elbe
Eine weitere außergewöhnliche Möglichkeit einen romantischen Sonnenuntergang zu erleben, bietet sich während einer Fahrt mit der Fähre „Grete“ von Brunsbüttel nach Cuxhaven. Die Fahrt dauert ca. 80 Minuten. Eine frische Brise weht um die Nase, während man von Bord aus einen herrlichen Blick auf die Elbe und den Sonnenuntergang am Horizont hat. Für das leibliche Wohl ist während der Überfahrt im Bordrestaurant gesorgt, sodass dem Genuss nichts im Wege steht.
Weitere Informationen unter: www.elb-link.de

Tipp: Wattwandern in den Sonnenuntergang
Eine ganz besondere Art den Sonnenuntergang zu erleben, bietet sich bei der Abend-Wattführung des NABU Naturzentrums Katinger Watt. An verschiedenen Terminen im Sommer, z.B. am 09.07., geht es mit fachkundiger Begleitung in das Wattenmeer. Das Licht der tief stehenden Abendsonne sorgt für eine ganz besondere Atmosphäre im Weltnaturerbe Wattenmeer. Mit Geschichten und sinnlichen Erlebnissen klingt die Wanderung beschaulich am Deich aus.

Von Kreuzfahrtschiffen, Naturerlebnissen und unseren Vorfahren

Alle warten, keines kommt. Jetzt grad nicht. Wo bleibt das Traumschiff? Gespannte Erwartung bei Kanalkilometer Null, Schleuse Brunsbüttel, und sieben Uhr ist durch. Nur das Kreuzfahrtschiff nicht, das ist (noch) nicht durch. Dabei sollte es jetzt einfahren von der Elbe in den Nord-Ostsee-Kanal.

Schiffegucken ist der schönste Zeitvertreib in Brunsbüttel, und der Zettel mit den gemeldeten Traumschiff-Passagen – das mit Abstand beliebteste Stück Papier vom nahen Tourismus-Büro – hatte sie doch angekündigt; die „Saga Sapphire“, unterwegs von Dover nach Dänemark. Durch die meistbefahrenste künstliche Wasserstraße der Welt. Luxusliner sind recht selten, aber schön, spektakulär und damit Höhepunkt; „normale“ Schiffe sind allemal spannend und immer einen kleinen Stopp wert. Zum Schauen. Zum Staunen.

Der Nord-Ostsee-Kanal, mit fast hundert Kilometern Länge zwischen Elbe und Kiel und mit mehr als 30.000 Schiffspassagen pro Jahr (das ist viel, viel mehr als im Suez- oder Panama-Kanal), ist eine Sehenswürdigkeit. Der (hauptsächlich) am Ufer entlangführende Radweg ein tolles Stück Fahrrad-Tour. Von Brunsbüttel bis zum Gieselau-Kanal (der Verbindung zum Fluss Eider) sind es schöne und spannende 40 Kilometer Dithmarschen. Mit Schiffen, Störchen und schönem Schlafen am Kanal. Und wer weiß, vielleicht kann man unterwegs ja mal mit einem Traumschiff um die Wette fahren. Oder mit einem U-Boot, denn die sind hier ab und zu auch unterwegs.

Kanalkilometer Null also; dort, wo in den gewaltigen Schleusenbecken Tanker und Frachter gehoben und gesenkt werden, kann der Reisende dem Schauspiel zusehen. Von der Aussichtsplattform wirken die Festmacher, die Leute mit den Tauen, unten auf dem Kai winzig im Vergleich zu den Schiffen, die zumeist unter Flaggen sehr fremder Länder fahren – Liberia, Zypern, Panama. Für manch einen Seemann mag dies hier der letzte Hafen vor New York sein, andere Matrosen freuen sich vielleicht auf die baldige Ankunft in Skandinavien oder St. Petersburg. Der Radfahrer träumt ein wenig von der weiten Welt und macht sich auf ins Dithmarscher Hinterland. Fernweh und Landliebe am Kanal gleichermaßen.

An der Strecke queren kostenlose Fähren den Kanal. Wer mag, kann gleich hier zu Beginn mit der Fähre in den Brunsbütteler Süden übersetzen, um ein paar hundert Meter kanalaufwärts wieder zurückzukehren – die Route führt nun durchs Ländliche. Man kennt die Kanalbrücken vielleicht vom Auto aus oder der Bahn; von unten sind sie spektakulär, monumental und – vor allem die Eisenbahnbrücke bei Hochdonn – von einem einzigartigen ästhetischem Reiz. Es ist ein klarer Morgen, weiße Wölkchen segeln ins Dithmarscher Land und unter der Brücke an der B5 fliegt ein Falke.

Der Kanal ist ein moderner Verkehrsweg, das Land links und rechts davon oft Natur pur. Die Karten verzeichnen Routen, die abseits des Kanals zu kleinen, sehenswerten Städten wie Burg führen oder durch Naturschutzgebiete wie das um den Kudensee. Bald führt ein Weg fort vom Kanal, saftig-grüne Weiden und Wiesen liegen in der Niederung der Burger Au, darin der Kudensee, ein Paradies für die Vogelwelt. Der Wind lässt die Kronen der Erlen rauschen, dahinter glitzert – und schäumt in Böen – das Wasser dieses verschwiegenen Sees. Am Ufer wiegt sich Schilf, darin brüten Rohrweihe und Rohrammer, sogar ein Seeadler-Paar auf einem Baum. Ein Reiher steht stoisch am Ufer eines Grabens und ein Schwan gleitet vorüber – diese Gegend ist wichtiges Rast- und Überwinterungsgebiet für Zugvögel: Zwergschwäne im runden Tausend sowie Enten und Gänse aller Art. Flinke Kiebitze kann man beobachten und das melodischen Tirilieren der Feldlerche hören. Ein Fernglas gehört auf dieser Tour gewiss ins Gepäck.

Es ist stilles, schönes Radeln auf dem Plattenweg am Ufer. Kurz vor der Eisenbahnbrücke bei Hochdonn kreist am gegenüberliegenden Ufer ein Seeadler im Himmel. Nicht nur dies ist ein Grund für die Pause, die Poller sind ein schöner Picknick-Tisch. Hummeln summen, Löwenzahn setzt gelbe Akzente ins Grün, Gänse lärmen vorüber. Ist der Kanal streckenweise sonderbar leer (die Schiffe schleichen meist im Verband) und still, schwillt nun ein fernes Stampfen an. Eine Parade Frachter schiebt sich heran. Ihre Bugwellen zerreißen das stille Wasser und werfen die gespiegelten Wolkenbilder in Scherben. Die „Neckar Highway“, ein Autofrachter, gleitet vorüber, gefolgt von der „Ebba 2“, dann die „Tilda Kosan“, zuletzt die „Sulphur Genesis“ – Woher? Wohin? Was drin? Die Gedanken ziehen mit. Wellen schwappen sacht ans Ufer und der Kormoran bleibt sitzen, so als wäre nichts.

Wieder lohnt ein Abstecher – nun zum „Kerzenhof“ nach Schafstedt. Vor einiger Zeit übernahm Familie Bork dort einen Resthof. Mit einem guten Gespür für Gemütlichkeit und Nostalgie wandelte Dorte Bork den alten Kuhstall um in ein Café, das gewiss zu den schönsten in Schleswig-Holstein zählt. Das Team Bork hat ein gutes Händchen für Torten, Kuchen und Co. Candy und Klönschnack also im alten Bauernhof, Kaffeeklatsch und Kulturerlebnis. Man fühlt sich aufgehoben, wenn man die gastliche Stube betritt und beinah so, als ob es ein Kurzurlaub in die Vergangenheit wäre. Die Wohnzimmeratmosphäre mit ihren bunt zusammengewürfelten Tischen, Stühlen und Accessoires aus längst vergangenen, aber dennoch fühlbar nahen, Zeiten zaubert angenehme Nostalgie; das hier ist stimmig. Es ist romantisch; auch echt – viele Dinge, Deko-Geschirr oder alte Modemagazine aus den 50ern, haben Nachbarn auf dem Dachboden gefunden und vorbeigebracht. Die Torten sind ohnehin eine köstliche Verführung! Neben den kulinarischen Leckerbissen gibt es auch kulturelle – Konzerte zum Beispiel. Angeschlossen ist ein kleines Museum, das die Heimatkunde der Gegend liebevoll arrangiert wiederspiegelt. Der Kerzenhof, hier kann der Gast unter Anleitung von Dorte Bork auch Kerzen färben, ist ein authentischer Ort – zum Wohlfühlen. Und die Leute aus dem Dorf treffen sich hier auf einen Klönschnack. Und in die Etagèren greifen nicht nur Kinder; Süßes gibt´s auch für die Großen.

Der Uferweg ist eine gut zu befahrende, gefällige Strecke; grün und gemütlich. Hier riecht es nach wilden Rosen, dort nach Waldmeister und manchmal nach dem Rauch von Holzfeuer, bei den großen Silos der Genossenschaften, die wie Burgen am Ufer stehen, nach Getreide. Sogar eine kleine, verschwiegene Badestelle gibt es hinter Hochdonn – mit Sandstrand und Treppe in die Bucht am Kanal. Die Landschaft ändert sich im Verlauf des Kanals; bisher durch die Ebene der Marsch wird es hügelig; dies ist die Geest, das Rückgrat Schleswig-Holsteins.

Hinter der Straßenbrücke zwischen Albersdorf und Hademarschen lohnt ein Abstecher zum Steinzeitpark Dithmarschen (nahe Albersdorf). Der Weg führt in einen lichten Wald mit Eichen und Buchen in gefälliger, sanfter Hügellandschaft. In der malerischen Niederung des Flüsschens Gieselau mit den Erlen und Röhrichten leben Kröten und seltene Unken, Wasseramseln am Fluss. Wer Glück hat, sieht den Eisvogel gleich einem fliegenden Edelstein umherschwirren. Eine Landschaft, die bereits vor 6000 Jahren Heimat war, geheimnisvolle Steinzeitgräber zeugen von ihrer Anwesenheit und ihrem Totenkult.

Mitten im Wald steht eines dieser fast 50 Meter langen Gräber aus der Jungsteinzeit; Bernsteinschmuck und Steinwerkzeuge haben Forscher hier gefunden, solche Dolmen waren Kollektivgräber – Leichnam um Leichnam wurde hier bestattet. Heute rauscht der Wind in den Kronen der Eichen und ein Specht hämmert beharrlich, ferne Vogelrufe hallen durch den Wald und es sind nicht die frischen Böen allein, die ein wenig Gänsehaut ob dieser mystischen Atmosphäre schaffen. Stehen dann noch urzeitlich anmutende Konik-Pferde in der nebelverhangenen Aue der Gieselau, ist das Bild grauer Vorzeit perfekt.

Wie diese Menschen hier vor tausenden Jahren gelebt haben, ist im Steinzeitpark Dithmarschen rekonstruiert – ein ganzes Steinzeitdorf, das das Leben vor 5000 Jahren zeigt. Es gibt Aktionen zum Mitmachen: Heute werden Steinwerkzeuge aus Flint geschlagen. Schutzbrille und Handschuhe sind ein Muss, denn die Splitter sind schärfer als jedes Skalpell. Neben dem Feuerstein gibt es auch Tipps wie das geht („…nicht draufhauen, sondern abschlagen…“) mit der groben Vorarbeit und der folgenden Feinarbeit mit dem Geweih-Stück. Schaber und einfache Klingen sind nicht schwer; Faustkeile, Sicheln und perfekte Speerspitzen Meisterwerke.

Zwischen Schafstedt und Hohenhörn fließt der Mühlenbach, der Abend senkt sich langsam über seine Niederung; feuchte, saftige Wiesen, aus denen der Nebel steigt, ein Rehbock läuft über die Wiesen, Baumreihen begrenzen, darüber eine späte Sonne mit milchigem Licht, Blätter knistern verhalten im sachten Wind. Vollkommene Ruhe liegt über diesem Ort. Und hier ist endlich einer: Zwischen den Kiefern thront ein Storchennest, darin steht einer dieser schönen Vögel und scheint Eier im Nest zu wenden, schaut immer….ja, wohin? Vielleicht zum Partner, der hier irgendwo über die Wiesen stakst. Und spürt man da nicht wieder ein Schiff? Ein kurzer Weg nur zur Bank am nahen Kanal.

In Hohenhörn (nahe Schafstedt) steht das kleine, feine Gasthaus und Hotel „Kanal 33“ direkt am Ufer. Die kleine Fähre müht sich im Minutentakt über den Kanal, die Silos der Genossenschaft nebenan sehen in ihrem verwitterten Grau aus wie eine Burg aus dem Mittelalter. Vor den Gasthaus ist der Biergarten und auch hier gilt: Schiffegucken. Aus der alten Gastwirtschaft wurde ein Kleinod zum Essen und Übernachten. Die Zimmer sind modern und gemütlich, großzügig und licht. Mehr noch: „Wir haben aus alten Dalben des Nord-Ostsee-Kanals Betten, Schränke und Fensterbänke tischlern lassen. Auch der Fußboden wurde aus dem Douglasienholz der Dalben gefertigt“, erklärt Petra Lucht. Dalben sind die gewaltigen Holzpfosten, die im Wasser stehen und an denen Schiffe festgemacht werden können.

Radfahrer dürfte auch dieser Service interessieren: „Wir haben eine kleine Werkstatt und einen Schlauch-Automaten, nasse Sachen kommen in den Trockenraum und das E-Bike kann man hier aufladen. Nach Vorbestellung organisieren wir Ihnen auch Leihräder von unserem hiesigen Verleih“, sagt Petra Lucht. Und das Schönste, im stimmigen Ambiente der Zimmer, ist der Blick aus dem Fenster – ist Kanal-Kino vom Feinsten: das Hin und Her der kleinen Fähre inklusive abendlichem Schaftransport mit Traktor und Anhänger, der Blick in die grüne Weite Westholsteins und immer wieder Schiffe, Schiffe, Schiffe. Ihre Lichter sind an, das sind wunderschöne Motive vor dem dunkler werdenden Blau der beginnenden Nacht. Schleichen sich fort; nach Hongkong vielleicht oder nach Shanghai. Muhen da irgendwo nicht Kühe? Fernweh beim Schiffegucken und Heimatliebe auf´m Land; und das auf einen Blick – das geht wohl nur hier am Kanal. Wo die Schiffe über´s Land fahren.

Termin-Tipps 2017:

Lichterfest NOK Romantika, 02. September 2017
Sonderausstellung Weltgarten im Steinzeitpark Dithmarschen von Juni bis Okt. 2017
Die Termine der Kreuzfahrtpassagen 2017 im Nord-Ostee-Kanal finden sich unter www.schleusenmeile-brunsbuettel.de

Industriekultur am Wasser in Cuxhaven und Umgebung

In Cuxhaven werden wieder die beliebten geführten Touren zu Fuß und auf dem Fahrrad entlang der Fi-schereihäfen, dem Amerika-Hafen, dem Schleusenpriel mit Werften und Yachthafen sowie dem Arbeitsha-fen angeboten. Zur Stärkung können Krabben gepuhlt werden. Die Touren beginnen jeweils um 13.00 Uhr. Anmeldungen unter galerie-ae@gmx.de.

Das Wrack- und Fischereimuseum „Windstärke 10“ erzählt von dramatischen Unglücken auf See und der harten Arbeit der Hochseefischer. Spannende Führungen durch das Museum finden statt und für Kinder gibt es mit „Seestern & Co“ Bastelaktionen zu maritimen Themen.

Die Hapag-Hallen sind ein historischer Bahnhof für Schiffspassagiere. Jeweils um 10:30 Uhr dreht sich bei den Führungen durch die Hallen alles um Auswanderung und Passagierverkehr von Cuxhaven nach New York.

Das Semaphor an der Alten Liebe ist ein Überbleibsel aus der Zeit vor dem Funkverkehr: Wetterdaten wer-den damit optisch übermittelt. Tafeln an dem Windanzeiger informieren über den Gebrauch.
Gleich nebenan liegt das Feuerschiff „Elbe 1“. Feuerschiffe dienen als schwimmende Leuchttürme der Navi-gation. Ein auffälliges Äußeres gehört ebenso dazu wie ein Leuchtfeuer. An den Tagen der Industriekultur lädt die Crew der „Elbe 1“ zum Open Ship und zu Führungen über das Schiff ein.

Mit dem gewachsenen Schiffsverkehr nach Hamburg wurden um 1900 Dutzende von Leuchttürmen an der Unterelbe gebaut, so auch die „Dicke Berta“. Der Leuchtturm der von 1897 bis 1983 in Dienst war, kann bestiegen werden, Führungen werden angeboten. Der Leuchtturm Obereversand, an der Wurster Nordsee-küste zählt mit seiner Form sicher zu den skurrilsten Leuchttürmen in Deutschland. Die Ausstellung im ehe-maligen Oberfeuer gewährt einen Einblick in die Lebens- und Arbeitswelt der Leuchtfeuerwärter im ausge-henden 19. Jahrhundert. Führungen durch den Turm finden statt. Der ewige Kampf mit den Naturgewalten des Meeres ist auch Thema des Deichmuseums Land Wursten, das die mehr als 1000jährige Geschichte des norddeutschen Deichbaus anschaulich präsentiert. Am 17. Juni um 14:00 Uhr gibt es eine ausführliche Füh-rung zu dem Thema.

In Otterndorf besticht das 1929 gebaute Schöpfwerk durch seine Industrieästhetik. Die Pumpe zählt bis heute zu den größten Europas. Damit sorgt sie in dem niedrigen Marschland, das häufig unter Wasser stehen kann, für nutzbares Land. Pro Sekunde können 24 Kubikmeter Wasser um 1,60 Meter in die Höhe gefördert wer-den. Angetrieben wird die Anlage von Elektromotoren, die 1996 veraltete Dieselmotoren ersetzten. Das Werk kann besichtigt werden und mehrmals täglich finden Erläuterungen zum Thema Entwässerung statt.

Ein Stück weiter elbaufwärts liegt Freiburg an der Elbe. Ein Neuling bei den Tagen der Industriekultur. Merken Sie sich den 17. Juni um 17.00 Uhr vor. Nach einem geführten Rundgang durch den Freiburger Hafen, gibt es eine Ausfahrt auf einem historischen Pfahlewer und der abschließende Besuch der traditionellen Bootwerft Hatecke zeigt, dass für den Betrieb in 5. Generation, vieles im Arbeitsalltag gleich geblieben ist. Holz und Gezeiten prägen seit mehr als 155 Jahren das Werftleben.

Neu dabei ist auch die Elbfähre Glückstadt/Wischhafen. Die Fährfahrt zwischen Wischhafen und Glückstadt ist die leistungsfähigste innerdeutsche Fährverbindung. Bis zu vier Schiffe pendeln hier über den Fluss. Neben dem üblichen Fährbetrieb wird am 18. Juni, jeweils um 14.00 und um 16:30 Uhr, die „Kehdinger Fährfahrt“ angeboten. Während der Kapitän die großen und kleinen Pötte und die Seezeichen erklärt, genießen Sie die Fährfahrt auf dem Weltschifffahrtsweg Elbe. In Wischhafen lohnt auch ein Besuch im Kehdinger Küstenschiffahrtsmuseum, das die fast 175jährige Hafengeschichte Wischhafens veranschaulicht und aktuell in seinen Sonderausstellungen an die Weihnachtsflut vor 300 Jahren erinnert und das allgemeine Wörterbuch der Marine von 1798 erklärt. Im Hafen liegt das Küstenmotorschiff „Iris-Jörg“. Die ehrenamtliche Mann-schaft lädt zur Besichtigung des Schiffes ein.

Die 1909 in Betrieb genommene Schwebefähre Osten-Hemmoor ist, mit ihrem 38 Meter hohen Portal aus Stahlfachwerk, das markanteste Bauwerk im Elbe-Weser-Dreieck. Während Sie „wie zu Kaisers Zeiten“ schweben, wird die Geschichte der Schwebefähre erläutert. Ganz in der Nähe lädt das Deutsche Zementmu-seum Hemmoor zu einem Besuch ein. Das Zementwerk in Hemmoor war lange Zeit die größte Fabrik im Elbe-Weser-Dreieck. 1905 waren hier 2.000 Menschen beschäftigt. Die angebotenen Führungen beschäftigen sich mit Entstehung, Blütezeit und Ende des Zementwerks sowie dem Außengelände der Fabrik. Darüber hinaus gibt es jeweils um 15:00 Uhr Führungen zu Fossilien der Kreide- und Steinzeit.

Geführte Wattwanderungen von Hallig Hooge nach Pellworm

Da drüben, das ist Pellworm. Der frühe Morgen ist frisch, klar strömt das Licht über das Watt draußen in den Uthlanden. Eine Welt für sich; außendeichs, eine Handvoll Halligen und ein paar Inseln in der Nordsee. Gelegen im Wattenmeer, das zwei Mal am Tag untergeht und ebenso oft wieder auftaucht. Durchschnitten von den „Flüssen des Meeresbodens“; den Prielen, reißenden Strömen. Ein Limit zum Laufen und einziger Verkehrsweg für die Leute da draußen. Sie nehmen das Schiff. Und ja, man kann auch rüber laufen. An manchen Stellen, auf manchen Wegen. Durch das Watt. Einer fremden, faszinierenden Welt.

Von Hallig Hooge rüber nach Pellworm also, das ist der Plan für diesen Sommermorgen. Die Direkte ist nicht weit, deutlich ist der alte Kirchturm im Westen Pellworms und die Windmühle an der Nordküste zu erkennen. Nur die Direkte, die geht nicht. „Das Wasser, das zwischen Hallig Hooge, Pellworm und dem Festland hin und her strömt, fließt vor allem durch das Rummelloch – das ist einer der großen Priele hier bei uns im Wattenmeer“, sagt Michael Klisch, der die Gruppe Auserwählter heute hinüber führt. Die Priele verändern sich ständig, nie ist das Watt so, wie es eben, vor einer Woche oder vor einem Jahr gewesen ist. Die Priele und die Sandbänke – heute hier und morgen fort.

Die Strecke von Hallig Hooge nach Pellworm wurde vor einigen Jahren gegangen; ein gutes Stück Strecke zwar, aber nicht sonderlich schwer zu gehen. Nur, und das ist und war die alles entscheidende Frage – wo ist das Rummelloch und wie tief ist dieser Priel? Kommt man da durch? Wo kann es überhaupt lang gehen? Natürlich ist Michael Klisch, er leitet die Schutzstation Wattenmeer auf Hallig Hooge, die Strecke abgelaufen, bevor er Leute mit hinaus nimmt, er hat den langen, fast vergessenen, Wattenweg neu gelegt. Zu begehen ausschließlich mit ortskundiger Führung und niemals (!) allein – denn allein zu laufen, kann lebensgefährlich sein. Diese Strecke also ist wiederbelebt, denn diese Tour ist toll:

Es gibt viele und verschiedene Wattwanderungen an der Westküste und jede für sich genommen ist ein einzigartiges Erlebnis und ein Muss bei einem Besuch an der Nordsee. Es gibt kurze Touren für Familien und Jedermann, auf denen das Leben in dieser außergewöhnlichen Welt erklärt wird. Es gibt Touren von Insel zu Insel, Föhr – Amrum, die zu den großartigsten Urlaubserlebnissen an der Nordsee zählen. Und es gibt Sondertouren, die nur ein paar Mal pro Jahr angeboten werden – exklusive Erlebnisse weit weg vom Rest der Welt. Von Hooge nach Pellworm, das ist wieder eine solche Tour. Zwar windet sich das Rummelloch wohin die Naturgewalten es treiben – doch hinüber zu laufen, es zu umrunden; das geht im wahren Wortsinn.

Was macht diese Tour so außergewöhnlich? Es geht von Hallig zur Insel, das ist eine erste Besonderheit. Sie hat ein Ziel, das ist bei Wanderungen immer eine schöne Sache – man geht „wohin“, hat etwas vor Augen, das manche Mühe lohnt, man „kommt an“. Weiterhin: Es ist auch eine Reise in die Zeit zurück – in eine untergegangene Welt. Vernichtet und ertränkt in einer mörderischen Orkanflut vor ein paar Jahrhunderten – altes Kulturland; die Spuren und Erinnerungen sind oft zu sehen. Und natürlich: die kleine Schiffsreise zurück nach Hooge mit den Gebrüdern Hellmann und ihrem kleinen Schiff. Zwischendrin: viele Vögel und mit etwas Glück ein Seehund. Nur: das muss alles mit den Tiden zusammenpassen und deshalb ist dieses ein exklusives Vergnügen und seinen Preis wert. Wenn das Wetter auch noch mitspielt.

Heute Morgen passt alles, ein klarer Himmel spannt sich über Hallig und Wattenmeer, „…und der Wasserstand ist mit 30 Zentimetern weniger gemeldet. Das ist perfekt!“, sagt Michael Klisch, als er die Gruppe über die Steinbuhne an der Südküste in das Watt führt. Pellworm liegt zum Greifen nah, drei Kilometer direkt rüber, und Klisch führt der aufgehenden Sonne entgegen – und weg vom Ziel. Zuerst versinken die Schritte im Schlick, das ist vor dem festen Land oft so, da hier die Kraft des Wassers nachlässt und sich die feinen Sedimente ablagern können. „…aber keine Sorge, ein paar Schritte noch und wir laufen auf festem Sandwatt“, verspricht er und bald marschiert die Gruppe mit leichten, flotten Schritten auf dem Meeresboden. In einem großen Bogen auf das Ziel Pellworm zu, denn anders kommt man nicht rüber. Letzte Wasserflächen glitzern in der Sonne wie geschmolzenes Silber und vor der Küste von Pellworm strömt das Rummelloch der Nordsee hinterher. Es ist, wie auf jeder Wattwanderung, eine lange, sichere Zeitreserve vor Niedrigwasser, damit der kritische Punkt – der Priel – bei tiefstmöglichem Wasserstand passiert werden kann. Und die Gruppe mit einem sicheren Zeitpuffer unterwegs ist.

Die Sandbänke sind flach und kaum zu erkennen. Sie lagern sich ständig um, im Watt herrscht eine Dynamik, die die genaue Lage solcher Sandbänke und Priele im Ungefähren lässt. Das macht eine Tour so spannend; es ist immer wieder neu und es ist ein schaurig-schönes Gefühl von Ungewissheit. Und dazu eben das Erlebnis, doch hier sein zu dürfen. Unterwegs in einer Welt, in der vor siebenhundert Jahren Menschen lebten; sie Vieh weideten und Torf abgebaut haben. Sie hatten Brunnen und kleine Häfen, Wege und Deiche. Schleusenreste wurden gefunden, bäuerliche Gehöfte und kleine Kapellen. Ertrunken in zwei mörderischen Fluten im 14. und im 17. Jahrhundert.

Ein Schwarm Vögel fliegt auf und tanzt einen irren Tanz im Sommerhimmel als Michael Klisch zu einer sonderbaren, auffälligen Struktur führt – ein runder Kreis in ansonsten sanften, natürlichen Sandstrukturen. „Das ist der Rest eines Brunnens“, erklärt er, „die Wand wurde mit Torfsoden ausgelegt und stabilisiert.“ Wir sind längst in der untergegangenen Welt unterwegs. Hier war einst festes Land – und wer genau hinschaut, wird weitere Kulturspuren entdecken. Im Osten zum Beispiel sind lange, gerade Reihen zu entdecken, die niemals natürlichen Ursprungs sein können. „Vermutlich haben die Menschen hier früher Torf gestochen, das können die Gräben sein und der gelagerte Auswurf daneben.“ Den Torf haben die Leute damals abgebaut, um daraus wertvolles Salz zu gewinnen – und eine Theorie besagt, dass sie sich damit ihrem Untergang zügig entgegen gegraben haben. Spannend, zum Staunen. Und ein wenig schaurig, in dieser versunkenen Welt zu stehen.

Diese Stelle ist flach gewölbt wie ein Uhrglas „…das ist die ehemalige Haiens-Hallig, die sehe ich auch nicht jedes Mal“, sagt Klisch, „das ist schon etwas Besonderes!“ Placken von Seegras sind auf das Ufer dieser untergegangenen Hallig gespült. In der Ferne scheint die bewohnte Hallig Nordstrandischmoor über dem Watt zu schweben. „Wir haben jetzt den Scheitelpunkt erreicht“, sagt er, „nun geht es direkt auf die Nordküste von Pellworm zu.“ Die Insel, samt ihrem vorgelagerten Priel, hat die Gruppe die ganze Strecke begleitet. Ringelgänse fliegen vorbei, mit Ziel Sibirien. Und ähnlich einsam ist diese Welt hier unten auf dem Meeresboden.

Wir sind in der Tiefe unterwegs, bei Hochwasser schwappen die Fluten hier zweieinhalb Meter höher. Wieder ist ein alter Brunnenring zu erkennen, wieder stehen die Leute fasziniert davor und sinnieren über die Geschichte.

„Leute, wir müssen weiter!“, mahnt Klisch mit Blick auf Kompass und Uhr, denn das Meer wartet nicht. Bald wird das Wasser wieder kommen, zuerst das Rummelloch aufwärts strömen und dann wird hier wieder alles untergehen wie seit hundert und hundert Jahren schon. Klisch führt an den Rand dieses Priels, der sich in der Tat wie ein Fluss auf dem Meeresboden dahin zieht mit silbrig glitzernden Fluten auf dem Weg von Irgendwo nach Nirgendwo. Am Rand dieses Stroms stehen seltsame Bäumchen, ihre Spitzen sechs und mehr Meter über den Köpfen der staunenden Gruppe. „Das sind Pricken“, erklärt Michael Klisch, „sie markieren einen Schifffahrtsweg!“

Wie bei normalen Flüssen gibt es auch hier einen steilen und einen flachen Hang. Kaum knietief wird das Rummelloch durchwatet, dessen Wasser mit irritierend starker Strömung noch immer der Nordsee hinterher eilt. Möwen wippen auf den Wellen. Austernfischer trippeln auf dem Ufer. Aber nicht mehr lang und dann kommt es wieder; das Wasser – stark, strömend, unaufhaltsam und alles ertränkend. Als die Gruppe das gegenseitige Ufer betritt, wird sie erstes.) von einem enormen Getöse von Ringelgänsen begrüßt und versinkt zweitens.) knietief im Schlamm. Klisch vorneweg und die Gruppe stakst vorsichtig durch den Schlick.

Direkt vor Pellworm liegen die Sandbänke wie wild durcheinander, noch ein Priel muss durchwatet werden. Matten von Seegras liegen herum und das Wasser scheint still zu stehen. Vor uns liegt Pellworm und wir steigen aus; hinaus aus dieser wundersamen Welt und Abgang von einer großartigen Bühne der Natur. Der Vorhang fällt, denn die Nordsee kommt wieder zurück und deckt alles mit grau-grünen Wogen zu. Dahinten, das ist Hallig Hooge. Mit ihren Warften, aufgereiht sind die Wohnhügel wie an einer Perlenkette. Zum Greifen nah und doch unerreichbar. Und auch die alte Haiens-Hallig wird wieder untergehen. So wie seit hundert und hundert Jahren schon, versunken und vergessen. Fast vergessen, wie dieser alte schöne Weg durch das Watt. Nun aber ist der Blick in diese Welt wieder möglich, mit einem Zeitfenster von gut zweieinhalb Stunden. Zu besichtigen und erleben auf einer faszinierenden Bühne. Verborgen und verboten eigentlich. Und die Gebrüder Hellmann nehmen Kurs auf Hallig Hooge. Das kleine Ausflugsschiff schaukelt über Wellen und fährt über eine Welt, die erscheint wie ein ferner Traum.

Weitere Informationen:

Wattwanderer, die von Hooge nach Pellworm laufen möchten, sollten ausreichend konditionell fit sein und sich einer geführten Wanderung anschließen. Nur ortskundige Wattführer kennen einen sicheren Weg! Die Streckenlänge beträgt rund 8,5 km, Zeitbedarf ca. 2,5 Stunden. Um an der Wanderung teilnehmen zu können, ist mindestens eine Übernachtung auf Hooge erforderlich, ansonsten harmoniert das nicht mit den An-/Abreisezeiten der Verbindung nach Hooge. Es empfiehlt sich wetterfeste Kleidung, Wechselklamotten, Kopfbedeckung und Sonnenschutz mitzunehmen.

Termine:
27.05.2017 um 8:15 Uhr ab Hooge (zurück 12:30 Uhr ab Pellworm)
12.06.2017 um 9:00 Uhr ab ab Hooge (zurück 13:30 Uhr ab Pellworm)
14.07.2017 um 11:15 Uhr ab Hooge (zurück 14:30 Uhr ab Pellworm)
27.07.2017 um 10:00 Uhr ab Hooge (zurück 14.30 Uhr ab Pellworm)
13.08.2017 um 10:45 Uhr ab Hooge (zurück 15:00 Uhr ab Pellworm)
25.08.2017 um 9:45 Uhr ab Hooge (zurück 14:00 Uhr ab Pellworm)
23.09.2017 um 9:15 Uhr ab Hooge (zurück 13:30 Uhr ab Pellworm)

Kosten:
22,- € Kosten gesamt inkl. Rückfahrt von Pellworm nach Hooge

Anmeldung:
Tourismusbüro Hallig Hooge
Hanswarft 1
25859 Hallig Hooge
Tel. 0 48 49 – 91 00
Fax. 0 48 49 – 2 01
E-Mail: info@hooge.de
Internet: www.hooge.de

Zu Fuß zur Insel Amrum

Wandern an der Nordseeküste? Doch, durchaus! Voller Vielfalt und landschaftlich reizvoll – und einzigartig. Auf den Spuren der Strandvögte geht es entlang der Südküste der Insel Föhr und später weiter an der wilden Westküste der Insel Amrum – dazwischen der vielleicht faszinierendste Teil dieses Törns: eine Wanderung auf dem Meeresboden, von Insel zu Insel. Am besten geht es sich in drei Etappen: Von der Föhrer Inselhauptstadt Wyk bis an die Westküste bei Utersum, dann die Wanderung durch das Watt (und dies nur mit fachkundiger Führung!) von Dunsum / Föhr bis zur Nordspitze Amrums, die letzte Etappe von dort zum Fährhafen Wittdün / Amrum. Faszinierend und mit phantastischen Eindrücken; seien es die Vögel des Meeres oder Seehunde an der Amrum Odde, sei es der gemütliche Strand auf Föhr oder der wilde Westen von Amrum. Und mit Leuchtturm inklusive.

Los geht es in Wyk. Kurz nach Verlassen der Strandpromenade wird es zunehmend einsamer. Ein Reetdachhaus duckt sich gleich einem Postkartenmotiv in die Dünen. In der Ferne scheinen die Halligen von Langeneß über dem Wattenmeer zu schweben, davor schiebt sich die Kulisse eines historischen Segelschiffes über den Horizont. Ansonsten eine für Ohr und Auge wohltuende Stille und Unaufgeregtheit, unterbrochen nur vom leisen Plätschern der Wellen und dem klagenden Schrei der Möwen. Es ist ein Bild wie in alten Tagen. Damals waren hier auch Leute unterwegs, die die Interessen der Obrigkeit vertraten, wenn es galt Strandgut und gestrandete Schiffe zu bergen. Und sie waren quasi die Steuererheber vom Strand – die Strandvögte. Waren auf Kontrollgang, besonders nach Sturm und Flut. Wetterfeste Männer in ständigem Rennen mit denen, die am Strand ihren Schnitt ohne die Steuer machen wollten. Und ist es nicht auch heute noch so, dass mancher Insulaner nervös wird, wenn es heißt: „…Bauholz über Bord!“ Oder Ü-Eier. Oder Turnschuhe. Kommen Sie mit und wandern Sie mal auf den Spuren der Strandvögte. Und halten Sie dabei die Augen offen!

Das Wasser hat sich zurückgezogen und draußen sind die Silhouetten von zwei Leuten zu erkennen, die sich immer wieder bücken. Nach einem funkelnden Stück Bernstein oder nach einem kuriosen Stück Strandgut? Die Nordsee wirft immer etwas auf den Strand, besonders nach schwerem Sturm und an exponierten Stellen. Früher waren derlei Fundsachen ein fester Posten im Ein- und Auskommen der Insulaner. Begehrt war Holz auf den waldarmen Inseln, sei es als Brennholz oder zum Bauen, noch heute finden sich wohl in manchem historischen Friesenhaus Balken und Bohlen von gestrandeten Schiffen.

Am kommenden Morgen geht es ins Watt. Die Strecke von Föhr nach Amrum ist auf festem Sandboden sehr gut zu laufen. Zweieinhalb Stunden vor Niedrigwasser startet die Wanderung durch das Watt in Dunsum / Föhr, um den tiefen Priel direkt vor Amrum bei tiefster Ebbe überhaupt queren zu können. Weite Flächen sind bereits trockengefallen, andere glänzen im Sonnenlicht wie geschmolzenes Silber. In den Prielen eilt das Wasser der Nordsee hinterher. Es geht in einem Bogen auf die Nachbarinsel zu und der Wattführer zeigt ein Schiffswrack. Viel ist nicht mehr übrig; ein paar Holzspanten, die im Watt stecken. 1825 kam die „City of Bedford“ in einem Unwetter vom Kurs ab und zerschellte in diesem Irrgarten aus Sandbänken, Lagunen und Wasserläufen, drei Männer kamen ums Leben. Es sind auch die Geschichten, die die Wattführer erzählen, die eine Wanderung über den Meeresboden spannend machen. Und sicher ist es nur mit einer Führung, man selbst genießt die Weite und das schaurig-schöne Gefühl, dort sein zu können, wo Menschen nicht hingehören. Ohne sich Gedanken machen zu müssen, wohin genau man gehen muss.

Wer in Norddorf auf Amrum übernachtet, kann noch hinauf zur Nordspitze der Insel, kann die Odde umrunden. Mit Glück und Fernglas lassen sich von einer Plattform Seehunde – und manchmal sogar Kegelrobben – beobachten. Am kommenden Tag: Machtvoll donnert die Nordsee an die Westküste der Insel. Vorgelagert ist ihr eine der größten Sandmassen Europas – der Kniepsand. Vor der Küste ist eine gewaltige Brandung zu erkennen, hier ist einer der größten Schiffsfriedhöfe der Nordsee – unzähligen Schiffen wurde diese Küste zum Verhängnis. Und immer wieder spült die Nordsee Treibgut an. Was genau, kann man zum Beispiel in der Bude zwischen den Dünen nördlich von Nebel sehen. Aus Brettern und Bohlen haben die Leute eine Hütte zusammengezimmert, Tische aus Treibholz. Turnschuhe hängen an der Wand und ein Tierskelett. Krass und kurios. Kurz vor Wittdün führt der Weg durch eine wilde und romantische Dünenlandschaft, die der Wind wieder und wieder aufs Neue formt und hier sein ewiges Lied singt. Bald wird es Sturm geben, der auch manchen Friesen an den Strand treibt. Strandgut suchen. Wie die Strandvögte.

Zu Besuch bei Deutschlands größtem Raubtier

Kapitän Jörn Petersen wendet die „MS Ol Büsum“ im Hafenbecken von Büsum. Das Ziel: die große Seehundsbank draußen vor der Küste. Es ist auflaufendes Wasser und nachdem das Ausflugsschiff die Schleuse passiert hat, fahren Kutter um Kutter mit ihrem Krabbenfang auf dem Rückweg zu ihrem Heimathafen der „MS Ol Büsum“ entgegen. Die Landmarken von Büsum, das Silo und das Hochhaus, verschwinden langsam mit der Küste. Das Schiff nimmt Fahrt auf, und das GPS weist dem Kapitän den Weg nach West. „Wir fahren hinaus zu den äußeren Sandbänken“, erklärt der Kapitän, „rund 20 Kilometer vor der Küste von Büsum liegen große Sandbänke, die auch bei Flut selten untergehen.“

Die Möwen segeln um das Schiff und der Diesel wummert gemütlich. Nach einer guten Stunde Fahrt drosselt der Kapitän die Maschine. Es ist eine amphibische Welt aus Wasser und Land, langsam laufen die Priele voll, noch glänzen Wattflächen unter der aufkommenden Sonne. Und die Seehunde werden bald auf ihre Sandbänke zurückkehren, um zu Ruhen, um zu Rasten. „Die Seehunde leben hier in großen Kolonien“, klingt es aus dem Lautsprecher, „bis zu 150 Tiere zählen wir manchmal.“

Der Kapitän steuert das Schiff aus dem großen Priel, vorsichtig schleicht die „MS Ol Büsum“ auf die Sandbank zu. Tiefenradar, Sonar und die Erfahrung des Kapitäns manövrieren das Schiff sicher in eine Bucht. Die Sandbank liegt sichelförmig in der Nordsee. An ihrer Westseite rollt die See heran; hier in der Bucht – geschützt durch die Sandbank – ist das Wasser ruhig. Bald taucht die erste vorwitzige Schnauze aus dem Wasser auf. Nun sind auch schon ohne Fernglas die ersten dunklen Tiere auf der Sandbank zu erkennen; dicht an dicht, doch jedes auf seinen Platz bedacht. Kapitän Petersen hält das Schiff mit sachtem Zug am Gas sorgsam auf Abstand – nicht nur um ein Auflaufen zu verhindern, sondern vor allem um die Tiere nicht zu stören.

Angst scheinen sie nicht vor dem Schiff zu haben, sie liegen still, schauen mit ihren runden Köpfen dem Schiff aber wachsam hinterher. Die „MS Ol Büsum“ dreht bei, der Kapitän nimmt Gas raus. „Wir sind Nationalparkpartner der ersten Stunde. Wichtig ist, die Tiere nicht zu stören. Wir wollen sie nicht zur Flucht ins Wasser veranlassen – vor allem dann nicht, wenn sie Nachwuchs haben“, sagt Hauke Rahder von der Büsumer Reederei Rahder. Bis in den Sommer gebären die Seehund-Weibchen ihren Nachwuchs. Die Jungen können bereits schwimmen und halten sich mit ihren Müttern in der Nähe der Sandbänke auf. Sie kommen immer wieder dorthin zurück, um zu säugen oder sich auszuruhen. Es geht auch ohne Störung. Und wieder taucht eine Schnauze auf; neugieriger Blick, eleganter Schwung und verschwunden in den Fluten ist der Seehund. Der Kapitän wendet das Schiff in der Bucht und steuert heimwärts.

Nicht weit von Büsum liegt im Süden an der Elbmündung Friedrichskoog, dort ist die Seehundstation: In dieser deutschlandweit einzigartigen Gemeinschaftshaltung können die zwei heimischen Robbenarten Seehund und Kegelrobbe an Land sowie im und unter Wasser beobachtet werden (www.seehundstation-friedrichskoog.de). Der Besuch dieser Station ist ein Muss während eines Urlaubes an der Westküste; sieben Tiere kann man beobachten und die Ausstellung vermittelt interessantes Wissen nicht nur zu den Robben der Nordsee. Aber hier geschieht, neben wissenschaftlicher Arbeit, noch mehr: Die Seehundstation Friedrichskoog bekommt auch Fundtiere – junge Kegelrobben ebenso wie verlassene Seehundjunge; die „Heuler“, von der Mutter getrennte Tiere.

Es kommt vor, dass die Tiere zum Beispiel durch einen Sturm oder eine Störung voneinander getrennt werden. Wer einen „Heuler“ am Strand findet, sollte einen größtmöglichen Abstand bewahren und sofort die örtlichen Fachleute informieren. Die begutachten das Tier und entscheiden dann, was weiter geschieht – oft ist eine junge Robbe oder Seehund nur erschöpft, ruht sich aus und verschwindet dann wieder in der Nordsee. Eine Störung des Tieres schadet ihm nur, deswegen gilt auch: Hunde an die Leine!

Im vergangenen Sommer – dann werden Seehunde geboren – waren es 250 „Heuler“, die von den Seehundbeauftragten der Kommunen und den Leuten der Naturschutzorganisationen an den Stränden gefunden wurden und dann ihre Reise an die Elbmündung antraten. „Die Aufzucht der Fundtiere dauert in der Regel, je nach Alter und Zustand der Tiere, zwei bis drei Monate. Dann werden sie nach einer Gesundheitsprüfung wieder in die Freiheit entlassen“, erklärt Tanja Rosenberger, Leiterin der Seehundstation Friedrichskoog.

„Unsere Tiere, die die Besucher bei uns beobachten können, konnten aus verschiedenen Gründen nicht ausgewildert werden. Derzeit leben fünf Seehunde und zwei Kegelrobben in den großzügig und naturnah angelegten, 800 m² großen, Seewasserbecken“, erklärt die Biologin. Die Tiere dösen oder jagen verspielt durch das Wasser. Die besondere Attraktion ist natürlich die Fütterung der dauerhaft in der Station lebenden Robbe, es gibt übrigens Hering.

Der Bestand an Kegelrobben in Schleswig-Holstein wird auf rund 800 Tiere geschätzt und der an Seehunden auf zirka 9.000 Tiere. Woran kann man denn nun Seehunde von Kegelrobben unterscheiden? „Erstens schon an ihrer Größe: Die Kegelrobbe ist mit bis zu 300 Kilogramm Gewicht bei den Bullen das größte Raubtier Deutschlands. Seehunde sind deutlich kleiner“, erklärt Tanja Rosenberger, „ausgewachsene Tiere wiegen bis zu 120 Kilo.“ Das größte Raubtier Deutschlands übrigens kann weit mehr als zwei Meter groß werden. Und an ihrem Aussehen, besonders an der Kopfform, kann sie jeder Gast während eines an der gesamten Nordseeküste Schleswig-Holsteins angeboten Schiffsausfluges zu den „Seehundsbänken“ erkennen: „Der Kopf der Kegelrobbe ist länglich, der des Seehundes eher rundlich geformt.“

Fachleute ziehen auch die Zähne dazu heran. „Apropos Gebiss: Wir sprachen über das größte Raubtier Deutschlands – aber auch der Biss eines Seehundes kann gravierende Folgen für den Menschen haben. Auch aus diesem Grund gilt: Halten Sie Abstand zu den Tieren, sollten Sie welche am Strand entdecken! Und auch wenn sie noch so träge aussehen – sie sind schneller als der schnellste Sportler.“ Man kann schließlich das Ausflugsschiff und ein Fernglas nehmen. Oder zurück nach Büsum fahren und sich dann nach Helgoland übersetzen lassen: Wieder zum Beispiel mit der Reederei Rahder, die „MS Lady von Büsum“ fährt rüber. Der Verein Jordsand und die Reederei bieten die Möglichkeit an, auch im Rahmen eines Tagesbesuches die Natur der Nachbarinsel Düne zu erleben und die Kegelrobben zu besuchen. Auf Helgoland angekommen, bringt ein Börteboot die Gäste vom Schiff direkt zur Düne, dort gibt es eine Führung. (www.rahder.de)

Vor der Felseninsel draußen in der hohen See liegt die Düne, ihre kleine Schwesterinsel. Dort wurden in der vergangenen Wurfsaison mehr als 350 junge Kegelrobben geboren. Dort wächst Deutschlands Kegelrobbenpopulation; dorthin kommen die Tiere, um sich zu paaren, dorthin kommen sie, um zu werfen. „Kegelrobbenjunge werden im Winter geboren“, erklärt Rebecca Störmer, „Seehunde im Sommer.“ Sie leitet die Helgoländer Station des Vereins Jordsand (www.jordsand.de). Rebecca Störmer und ihre Mitarbeiter halten ein Auge auf die Kegelrobben. Und auf die Besucher: Besonders zur Wurfzeit von Ende November bis Februar liegen die Tiere so dicht am Strand, dass der Sicherheitsabstand von dreißig Metern zwischen Mensch und Tier kaum mehr eingehalten werden kann. „Dann heißt es umdrehen“, sagt Rebecca Störmer, „denn ein Ausweichen durch die geschützten Dünen ist nicht erlaubt.“ Aber einen naturkundlichen Lehrpfad haben die Helgoländer eingerichtet – um die Düne zu erleben und immer wieder Kegelrobben beobachten zu können. Im Winter gibt es zusätzlich einen Bohlenweg.

Die Jordsand-Leute bieten geführte Touren dorthin an, zur Wurfsaison natürlich mit dem Schwerpunkt auf den jungen Kegelrobben. „Aber auf der Düne kann man Kegelrobben jeden Alters und zu jeder Zeit sehen – vielleicht nicht immer tausend Tiere auf einem Mal, wie zum Fellwechsel im Frühling. Aber nirgendwo so gut wie hier“, sagt Rebecca Störmer. Nach dem Anlanden auf Düne verliert sich der Weg schnell in eben solchen. Wer Kegelrobben beobachten möchte, geht am Strand entlang.

Die Steine kollern in der kräftigen Brandung, hoch läuft die Nordsee auf. Schon bald sind erste Tiere auf dem Strand zu sehen. „Es sind Kegelrobben“, sagt Rebecca Störmer und hebt das Fernglas, „hier leben zwar auch Seehunde; aber da hinten, das sind Kegelrobben.“ Herrscht zur Wurfzeit, der darauffolgenden Paarungszeit und schließlich zum Fellwechsel ein ziemliches Geschiebe und Getöse am Strand, erscheint es in der übrigen Zeit relativ ruhig. Aber dennoch – es ist faszinierend, diese Tiere vor der wilden Brandung zu beobachten.

Ihr Gebiss im Gedächtnis und ihre unglaubliche Geschwindigkeit im Sinn; selbst bei dem gebotenen Mindestabstand ist auch ein Blick ohne Fernglas kein Verlust einer einmaligen Naturbeobachtung. „Die Tiere kommen hierher um sich auszuruhen und Sonne zu tanken. Helgoland liegt mitten im Lebensraum der Kegelrobben, sie können bei der Nahrungssuche immense Strecken zurücklegen“, sagt Rebecca Störmer, „aber an Land müssen sie trotzdem kommen – neben den großen, ungestörten Sandbänken vor den Inseln der deutschen Küste ist das hauptsächlich Helgoland.“

Plötzlich kommt Bewegung in eine Gruppe der massigen Tiere. Die Lage beruhigt sich schnell wieder, im Gegensatz zur Paarungszeit, wenn es hier mitunter ruppig zugeht. Stundenlang kann man um die Insel Düne streifen und immer schön den Blick auf die Tiere da haben. Mit Abstand. Denn es ist Deutschlands größtes Raubtier. Und es ist ihr Reich.

Ausflüge und Einrichtungen zum Beobachten von Seehunden und Kegelrobben

An der Nordseeküste Schleswig-Holsteins gibt es zahlreiche Anbieter von Seehund-Ausflugsfahrten sowie Möglichkeiten Seehunde und Kegelrobben aus nächster Nähe zu beobachten.

Auswahl von Anbietern von Ausflugsfahrten zu den Seehundbänken

Reederei H.G. Rahder: Ausflugsfahrten ab Büsum zu den Seehundbänken
Kontakt:
Reederei H.G.Rahder
Reetdach-Pavillon vor den Schiffen am Ankerplatz/Fischerkai in Büsum
25761 Büsum
Tel.: 0 48 34 / 36 12
E-Mail: info@rahder.de
www.rahder.de

W.D.R.: Ausflugsfahrten ab Föhr, Amrum, Dagebüll und Schlüttsiel zu den Seehundbänken
Kontakt:
Wyker Dampfschiffs-Reederei Föhr-Amrum GmbH
Am Fähranleger 1
25938 Wyk auf Föhr
Tel.: 0 46 67 / 9 40 30
E-Mail: info@faehre.de
www.faehre.de

Halligreederei MS Seeadler Heinrich von Holdt: Ausflugsfahrten ab Schlüttsiel und Hooge zu den Seehundbänken
Kontakt:
Kapitän Heinrich von Holdt
Neuer Weg 4
25842 Ockholm
Tel.: 0 46 74 / 15 35
E-Mail: mail@seeadler-hooge.de
www.seeadler-hooge.de

Neue Pellwormer Dampfschifffahrts GmbH: Ausflugsfahrten ab Pellworm zu den Seehundbänken
Kontakt:
Neue Pellwormer Dampfschiffahrts GmbH NPDG
Am Tiefwasseranleger 1
25849 Pellworm
Tel.: 0 48 44 / 7 53
E-Mail: info@faehre-pellworm.de
www.faehre-pellworm.de

Reederei Adler: Ausflugsfahrten von List/Sylt, Hörnum/Sylt, Nordstrand, Eidersperrwerk, Tönning zu den Seehundbänken
Kontakt:
Adler-Schiffe GmbH & Co. KG
Boysenstraße 13
25980 Sylt / OT Westerland
Tel.: 0 46 51 / 98 70 888
E-Mail: info@adler-schiffe.de
www.adler-schiffe.de

Halligreederei MS „Hauke Haien“: Ausflugsfahrten ab Wyk auf Föhr und Schlüttsiel zu den Seehundbänken
Kontakt:
Halligreederei MS “Hauke Haien”
Kapitän Bernd Diedrichsen
Bredstedter Straße 35
25813 Husum
Tel.: 0 48 41 / 8 14 81
E-Mail: info@wattenmeerfahrten.de
www.wattenmeerfahrten.de

Halligmeerfahrten mit MS „Rungholt“: Ausflugsfahrten ab Schlüttsiel und Langeneß zu den Seehundbänken
Kontakt:
Halligmeerfahrten
Kapitän Uwe Petersen
Westerweg 4
25899 Galmsbüll
Tel.: 0 46 67 / 3 67
E-Mail: info@halligmeerfahrten.de
www.halligmeerfahrten.de

Ausflugsfahrten mit MS „Eilun“: Ausflugsfahrten ab Amrum zu den Seehundbänken
Kontakt:
Kapitän Bandix Tadsen
Waasterstigh 18a
25946 Nebel /Amrum
Telefon: 0 46 82 / 23 33
E-Mail: info@eilun.de
www.eilun.de

Informationszentren

Seehundstation Friedrichskoog
Im „Informationszentrum Seehund“ und der Erlebnis-Ausstellung „Robben der Welt“ haben Groß und Klein vielfältige Möglichkeiten, sich aktiv über die heimischen Meeressäuger, ihre Biologie, Gefährdungen und Schutzmaßnahmen im Lebensraum Wattenmeer zu informieren.
Kontakt:
Seehundstation Friedrichskoog
An der Seeschleuse 4
25718 Friedrichskoog
Tel.: 0 48 54 / 13 72
E-Mail: Info@seehundstation-friedrichskoog.de
www.seehundstation-friedrichskoog.de

Westküstenpark & Robbarium
Das Robbarium in St. Peter-Ording ist die größte mit reinem Nordseewasser gefüllte Seehundanlage Deutschlands, 2x täglich gibt es Seehundvorführungen und Wildtierfütterungen.
Kontakt:
Westküstenpark & Robbarium
Wohldweg 6
25826 St. Peter-Ording
Tel: 0 48 63 / 30 44
E-Mail: info@westkuestenpark.de
www.tierpark-westkuestenpark.de

Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum
Das Multimar Wattforum informiert in einer interaktiven Erlebnisausstellung über den Lebensraum Wattenmeer.
Kontakt:
Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum
Dithmarscher Str. 6a
25832 Tönning
Tel.: 0 48 61 / 96 200
E-Mail: info@multimar-wattforum.de
www.multimar-wattforum.de

Seehunde und Kegelrobben auf Helgoland

Auf der Nachbarinsel Helgolands, der Düne, ruhen sich nicht nur sonnenhungrige Menschen aus, sondern auch Kegelrobben und Seehunde. Das bietet eine einzigartige Möglichkeit, die Tiere in ihrem natürlichen Umfeld zu fotografieren und zu beobachten. Um ein verständnisvolles Miteinander zwischen Mensch und Tier zu erreichen, sind die folgenden Verhaltensregeln unbedingt zu beachten:
Robben sind Raubtiere! Um die Tiere nicht aufzuscheuchen und ihnen genug Platz zum Agieren zu lassen, aber auch um die eigene Sicherheit zu gewährleisten, muss immer mindestens 30 Meter Abstand zu Kegelrobben und Seehunden eingehalten werden. Menschen müssen sich in der Nähe der Tiere ruhig verhalten. Aus Sicherheitsgründen und da die Tiere Krankheiten übertragen können, dürfen sie nie angefasst werden, auch dann nicht, wenn sie alleine liegen. Kinder sollten in der Nähe der Tiere an die Hand genommen werden. Das Füttern der Robben ist verboten.
Der Verein „Jordsand zum Schutze der Seevögel und der Natur e.V.“ bietet regelmäßig fachkundige Führungen zur Kegelrobben-Beobachtung auf der Düne an.
Jordsand zum Schutze der Seevögel und der Natur e.V.
Hummerbude 35
27498 Helgoland
Tel.: 0 47 25 / 77 87
E-Mail: helgoland@jordsand.de

Abenteuer am Elbeufer

An der Elbe muss es nicht immer ruhig und beschaulich zugehen. Neben purer Natur bieten die Winsener Elbmarsch und die Lüneburger Elbtalaue so einige Möglichkeiten für Familien, abwechslungsreiche Urlaubstage zu verbringen. Schon hinter der nächsten Flussbiegung wartet ein neues Abenteuer. Hier gibt es Tipps für kurzweilige Unternehmungen.

– Das Elbfloß entern. Mit einem schwankenden Floß über die Elbe gleiten – klingt aufregend, ist in jedem Fall aber ein sicherer Spaß für Familien. Auf diese Weise können Jung und Alt die vielfältige Natur- und Kulturlandschaft aus neuer Perspektive vom Wasser aus erleben. Mehr Infos zu diesen und weiteren Erlebnistouren: www.erlebnis-elbe.de.

– Eine Grenzerfahrung: Über Jahrzehnte bildete die Elbe einen Teil der deutsch-deutschen Grenze. Geschichts-Unterricht – gar nicht trocken, sondern höchst spannend – erleben Urlauber bei einer Tour mit dem „Grenzgänger“ Holger Hogelücht.

– Ein Fahrstuhl für Schiffe: Es ist schon ein mulmiges Gefühl, wenn man in luftiger Höhe über sich ein Schiff ausmacht. Doch keine Sorge, die Schiffe fahren sicher über die Köpfe der Besucher hinweg. Dieses einmalige Erlebnis ermöglicht das Schiffshebewerk Scharnebeck. Per Fahrstuhl werden hier große Binnenschiffe 38 Meter tief in den Elbe-Seitenkanal abwärts oder auch wieder hoch bugsiert. Informationen finden sich unter www.schiffshebewerk-scharnebeck.de.

– Auf der Spur des Bibers: Wildtiere faszinieren Kinder in jedem Fall. Ein Stelldichein mit dem Biber ist etwa bei einem Besuch im Biosphaerium möglich. Der in der Region wieder „eingebürgerte“ Biber und die Fische der Elbe lassen sich hier hautnah beobachten. Mehr Informationen gibt es auf www.biosphaerium.de.

– Wassermühle in Aktion: Wie wäre es, einmal eine Wassermühle in Aktion zu erleben? Möglich ist dies in Karoxbostel bei Winsen/Luhe. Technikfans jeden Alters werden von der ausgeklügelten Mechanik und dem Blick hinter die Kulissen begeistert sein. Mehr Informationen findet man unter www.wassermühle-karoxbostel.de.