Norden-Norddeich: Im Rhythmus von Ebbe und Flut

Kommen einem am Strand von Norddeich „Schlickmonster“ entgegen, die von oben bis unten mit schwarzem Matsch bekleckert sind, handelt es sich nicht etwa um das neueste Happening, sondern um Gäste, die sich zur Ebbezeit im Wattschlick gesuhlt haben.

Der Schlick enthält nämlich für unseren Bewegungsapparat wirksame Heilsubstanzen und wird als Packung in Kureinrichtungen angewendet. Hier hat man den Baggermatsch jedoch umsonst und die anschließende Dusche am Strand von Norddeich gibt’s auch noch kostenlos dazu. Ebbe oder Flut? Wer mit der Bahn oder mit dem Pkw zur Norddeich-Mole kommt, erkennt es an der Höhe der Schiffsaufbauten. Bei Ebbe lugen die Aufbauten der Krabbenkutter gerade noch über die Kaimauer und die Gangway an den Fähren führt nach unten. Vor dem Grün- und Sandstrand breitet sich das Watt aus, Nordseesand bis an den Himmelsrand, durchfurcht von Prielen und bedeckt mit flachen Seen.

Wattwanderzeit – am Sandstrand haben sie ihre Namensschilder in Grün, Rot, Blau oder Orange: Niko, Anita, Kurt, Heiko und Günther heißen hier die Wattführer, die den Gästen auf einer Tour die Wunderwelt des Wattes näher bringen. „Schuhe aus“, heißt es, bevor es durch Priele zu Sand- und Muschelbänken geht. „Wie entstehen Ebbe und Flut?“, wird gefragt. „Der Mond und die Sonne üben Anziehungskräfte auf das Wasser aus. Und da sich die Erde einmal am Tag um sich selbst dreht, haben wir zweimal am Tag eine Gezeit. Das Zusammenspiel von Ebbe und Flut nennt man Tide, die Tidedauer beträgt ungefähr 12,5 Stunden und der Höhenunterschied zwischen Ebbe und Flut immerhin rund 4 Meter.“ Jetzt sind wir schlauer!

Wer allein spazieren möchte, bleibt in der Nähe des Brandungssaumes und geht auf Muschelsuche. Welch eine Vielfalt: Die Schalen der Europäischen Auster; die fast handgroßen Hälften der Sandklaffmuschel; die zigarrenähnlichen Hälften der Großen Scheidenmuschel; das Gehäuse der Turmschnecke oder die kunstvoll gedrechselte Behausung der Wellhornschnecke. Doch bald kommt die Flut, erste Rinnsale werden zu Prielen, verbinden sich zu kleinen Seen und schon bald sind es nur noch wenige Sandbänke, die aus dem Wasser ragen.

Erste Kräuselwellen am Horizont zeigen an, dass die Flut näher kommt. Wellenzählen. Balsam für die Nerven und wirkungsvoller als Baldrian. Wenn die Fluten den Strand erreicht haben, ist Badezeit. Es ist seicht an Norddeichs Stränden, so dass auch Kinder ihr helles Plantschvergnügen im Nordseewasser haben. „Segel setzen“ heißt es in der Surfschule am Haus des Gastes, und schon bald kreuzen die Wellenreiter zwischen Grünstrand und Norddeich-Mole.

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