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Sonnenuntergang an der Nordsee

Die Nordseeküste Schleswig-Holsteins mit ihren breiten Strandabschnitten in Richtung Westen bietet beste Voraussetzungen um spektakuläre Sonnenuntergänge über dem Meer zu beobachten. Mal geht die Sonne als glutroter Feuerball unter, mal versteckt sie sich hinter Wolken und malt faszinierende Farben an den Himmel, aber immer sind atemberaubende Naturerlebnisse garantiert, wenn die Sonne in die Nordsee fällt. Erst glitzern Watt und See silbrig, später golden. Das Meer kommt zur Ruhe und scheint auszuatmen. Der perfekte Moment um das Naturschauspiel in trauter Zweisamkeit zu genießen. Nachfolgend sind die besten Tipps für romantische Sonnenuntergänge an der Nordsee zusammengestellt.

Einzigartig in SPO – Die hölzernen Strandbuden
Längst sind sie zum Wahrzeichen St. Peter-Ordings geworden: die 7 Meter hohen Pfahlbauten, die seit mehr als 100 Jahren das Strandbild prägen. An jedem Strand in Ording, Bad, Dorf und Böhl befinden sich Pfahlbauten nah an der Küste, in fünf von ihnen finden sich heute Restaurants, die den ein oder anderen Gaumenschmaus für Gäste und Einheimische zubereiten. Dabei hat jedes der Pfahlbau-Restaurants einen ganz eigenen Charakter und ist auch unabhängig vom Strandtag einen Besuch wert. Hier kann man mit bester Aussicht auf die Nordsee lecker essen gehen und auf den Terrassen den Ausblick auf den Sonnenuntergang genießen.
Weitere Informationen unter: www.st-peter-ording.de

Romantische Plätze für den Sonnenuntergang auf Sylt
Das Strandbistro Kap-Horn bietet absolute Wohlfühl-Atmosphäre in direkter Lage am Weststrand inmitten der Hörnumer Dünen. Am besten genießt man einen der grandiosen Sonnenuntergänge von einem der gemütlichen Strandkörbe aus. Den Abend mit einem leckeren Essen, einem Glas Weißwein und einer Brise Nordsee ausklingen lassen, das ist eines der romantischsten Dinge die Sylt zu bieten hat. Weitere Informationen unter www.kap-horn-sylt.de

Der Ellenbogen bezeichnet den nördlichen Zipfel der Insel Sylt. Wer am Ellenbogen steht, darf sich stolz als nördlichster Mensch Deutschlands bezeichnen. Die stellenweise nur 300 Meter schmale, lang gestreckte Halbinsel besticht durch ihre urwüchsige, ausgedehnte Dünenlandschaft. Wer also ein paar romantische Stunden zu zweit erleben möchte, der sollte sich einen Picknickkorb packen und den Sonnenuntergang am Ellenbogen genießen.
Weitere Informationen unter: www.sylt.de

Den Sonnenuntergang auf Föhr erleben
Im Westen der Nordseeinsel Föhr lassen sich mit grandiosem Blick auf die beiden Nachbarinseln Amrum und Sylt traumhaft schöne Sonnenuntergänge beobachten. Allabendlich geht hier die Sonne direkt zwischen den beiden Nachbarinseln unter und reflektiert ihre Farben in der Nordsee – mal tiefrot, mal leuchtend gelb. Bei diesem wunderschönen Anblick ist nicht nur der Trubel des Alltags sofort vergessen – auch die Glückshormone sprudeln kräftig. Die besten Spots auf Föhr dafür sind die kleine Seebrücke sowie der Sandstrand vor dem Haus des Gastes in Utersum oder der Deich in Groß-Dunsum. Tipp: In den Sommermonaten rechtzeitig einen Platz sichern und ein kleines Picknick mitnehmen. Oder gleich eine Nacht im Schlafstrandkorb am Strand von Utersum verbringen und mit Meeresrauschen einschlafen. So wird jeder Sonnenuntergang zum doppelten Genuss.
Weitere Informationen unter: www.foehr.de/schlafstrandkorb

Sonnenuntergang über dem Husumer Binnenhafen
Einzigartig maritim ist der Sonnenuntergang über dem Husumer Binnenhafen. Die malerische Kulisse lädt tagsüber zum Bummeln und Flanieren ein, abends lohnt sich ein Abstecher in eines der zahlreichen Restaurants oder eine urige Hafenkneipe. Pünktlich zum Sonnenuntergang entstehen je nach Licht-, Gezeiten- und Wolkenspiel immer wieder faszinierende und wunderschöne Bilder. Tipp: Der Turm vor dem neuen Rathaus bietet einen guten Aus- und Überblick und eignet sich besonders gut zum Fotografieren.
Weitere Informationen unter: https://www.husum-tourismus.de/

Sonnenuntergang im Biosphärenreservat „Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen“
Fernab von Stress und Trubel lässt sich der Sonnenuntergang auf der Hamburger Hallig erleben. Sie ist ein wichtiges Vogelschutzgebiet und mit Wattwerkstatt, Badestelle und der urigen Gaststätte „Hallig Krog“ (geöffnet von Frühjahr bis Herbst) ein beliebtes Ausflugsziel für Besucher. Die Hallig bietet einen unbeschreiblichen Blick auf das UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer und auf fast alle weiteren Halligen im Wattenmeer.
Weitere Informationen unter: www.nordfrieslandtourismus.de

Sonnenuntergang über der Familienlagune Perlebucht in Büsum
Auf der Dachterrasse der Beach Bar findet sich der schönste Platz für den berühmten Büsumer Sundowner – sozusagen die 1. Reihe für den Blick auf den Sonnenuntergang. Hier gibt es leckere Drinks, bequeme Liegestühle und eine ganz besonders relaxte Stimmung um gemütlich zu klönen, sich gegenüber zu sitzen und tief in die Augen zu schauen und gemeinsam diesen Moment zu erleben. Wenn die Sonne dann schlussendlich als roter Ball in der Nordsee versunken ist, wird es immer ruhiger auf der Watt’n Insel. Wer das romantische Nordsee-Gefühl mit in die Nacht nehmen will, schläft direkt am Strand im Schlafstrandkorb. Der 1,30 m breite Strandkorb eignet sich perfekt für zwei Personen und lässt sich wind-, wetter-und blickdicht verschließen. Man kann ihn für eine Nacht mieten und mit dem Meeresrauschen im Ohr einschlafen.
Weitere Informationen unter: www.familienlagune.de oder www.strandschlafen.de

Zum Sonnenuntergang auf die Elbe
Eine weitere außergewöhnliche Möglichkeit einen romantischen Sonnenuntergang zu erleben, bietet sich während einer Fahrt mit der Fähre „Grete“ von Brunsbüttel nach Cuxhaven. Die Fahrt dauert ca. 80 Minuten. Eine frische Brise weht um die Nase, während man von Bord aus einen herrlichen Blick auf die Elbe und den Sonnenuntergang am Horizont hat. Für das leibliche Wohl ist während der Überfahrt im Bordrestaurant gesorgt, sodass dem Genuss nichts im Wege steht.
Weitere Informationen unter: www.elb-link.de

Tipp: Wattwandern in den Sonnenuntergang
Eine ganz besondere Art den Sonnenuntergang zu erleben, bietet sich bei der Abend-Wattführung des NABU Naturzentrums Katinger Watt. An verschiedenen Terminen im Sommer, z.B. am 09.07., geht es mit fachkundiger Begleitung in das Wattenmeer. Das Licht der tief stehenden Abendsonne sorgt für eine ganz besondere Atmosphäre im Weltnaturerbe Wattenmeer. Mit Geschichten und sinnlichen Erlebnissen klingt die Wanderung beschaulich am Deich aus.

Von Kreuzfahrtschiffen, Naturerlebnissen und unseren Vorfahren

Alle warten, keines kommt. Jetzt grad nicht. Wo bleibt das Traumschiff? Gespannte Erwartung bei Kanalkilometer Null, Schleuse Brunsbüttel, und sieben Uhr ist durch. Nur das Kreuzfahrtschiff nicht, das ist (noch) nicht durch. Dabei sollte es jetzt einfahren von der Elbe in den Nord-Ostsee-Kanal.

Schiffegucken ist der schönste Zeitvertreib in Brunsbüttel, und der Zettel mit den gemeldeten Traumschiff-Passagen – das mit Abstand beliebteste Stück Papier vom nahen Tourismus-Büro – hatte sie doch angekündigt; die „Saga Sapphire“, unterwegs von Dover nach Dänemark. Durch die meistbefahrenste künstliche Wasserstraße der Welt. Luxusliner sind recht selten, aber schön, spektakulär und damit Höhepunkt; „normale“ Schiffe sind allemal spannend und immer einen kleinen Stopp wert. Zum Schauen. Zum Staunen.

Der Nord-Ostsee-Kanal, mit fast hundert Kilometern Länge zwischen Elbe und Kiel und mit mehr als 30.000 Schiffspassagen pro Jahr (das ist viel, viel mehr als im Suez- oder Panama-Kanal), ist eine Sehenswürdigkeit. Der (hauptsächlich) am Ufer entlangführende Radweg ein tolles Stück Fahrrad-Tour. Von Brunsbüttel bis zum Gieselau-Kanal (der Verbindung zum Fluss Eider) sind es schöne und spannende 40 Kilometer Dithmarschen. Mit Schiffen, Störchen und schönem Schlafen am Kanal. Und wer weiß, vielleicht kann man unterwegs ja mal mit einem Traumschiff um die Wette fahren. Oder mit einem U-Boot, denn die sind hier ab und zu auch unterwegs.

Kanalkilometer Null also; dort, wo in den gewaltigen Schleusenbecken Tanker und Frachter gehoben und gesenkt werden, kann der Reisende dem Schauspiel zusehen. Von der Aussichtsplattform wirken die Festmacher, die Leute mit den Tauen, unten auf dem Kai winzig im Vergleich zu den Schiffen, die zumeist unter Flaggen sehr fremder Länder fahren – Liberia, Zypern, Panama. Für manch einen Seemann mag dies hier der letzte Hafen vor New York sein, andere Matrosen freuen sich vielleicht auf die baldige Ankunft in Skandinavien oder St. Petersburg. Der Radfahrer träumt ein wenig von der weiten Welt und macht sich auf ins Dithmarscher Hinterland. Fernweh und Landliebe am Kanal gleichermaßen.

An der Strecke queren kostenlose Fähren den Kanal. Wer mag, kann gleich hier zu Beginn mit der Fähre in den Brunsbütteler Süden übersetzen, um ein paar hundert Meter kanalaufwärts wieder zurückzukehren – die Route führt nun durchs Ländliche. Man kennt die Kanalbrücken vielleicht vom Auto aus oder der Bahn; von unten sind sie spektakulär, monumental und – vor allem die Eisenbahnbrücke bei Hochdonn – von einem einzigartigen ästhetischem Reiz. Es ist ein klarer Morgen, weiße Wölkchen segeln ins Dithmarscher Land und unter der Brücke an der B5 fliegt ein Falke.

Der Kanal ist ein moderner Verkehrsweg, das Land links und rechts davon oft Natur pur. Die Karten verzeichnen Routen, die abseits des Kanals zu kleinen, sehenswerten Städten wie Burg führen oder durch Naturschutzgebiete wie das um den Kudensee. Bald führt ein Weg fort vom Kanal, saftig-grüne Weiden und Wiesen liegen in der Niederung der Burger Au, darin der Kudensee, ein Paradies für die Vogelwelt. Der Wind lässt die Kronen der Erlen rauschen, dahinter glitzert – und schäumt in Böen – das Wasser dieses verschwiegenen Sees. Am Ufer wiegt sich Schilf, darin brüten Rohrweihe und Rohrammer, sogar ein Seeadler-Paar auf einem Baum. Ein Reiher steht stoisch am Ufer eines Grabens und ein Schwan gleitet vorüber – diese Gegend ist wichtiges Rast- und Überwinterungsgebiet für Zugvögel: Zwergschwäne im runden Tausend sowie Enten und Gänse aller Art. Flinke Kiebitze kann man beobachten und das melodischen Tirilieren der Feldlerche hören. Ein Fernglas gehört auf dieser Tour gewiss ins Gepäck.

Es ist stilles, schönes Radeln auf dem Plattenweg am Ufer. Kurz vor der Eisenbahnbrücke bei Hochdonn kreist am gegenüberliegenden Ufer ein Seeadler im Himmel. Nicht nur dies ist ein Grund für die Pause, die Poller sind ein schöner Picknick-Tisch. Hummeln summen, Löwenzahn setzt gelbe Akzente ins Grün, Gänse lärmen vorüber. Ist der Kanal streckenweise sonderbar leer (die Schiffe schleichen meist im Verband) und still, schwillt nun ein fernes Stampfen an. Eine Parade Frachter schiebt sich heran. Ihre Bugwellen zerreißen das stille Wasser und werfen die gespiegelten Wolkenbilder in Scherben. Die „Neckar Highway“, ein Autofrachter, gleitet vorüber, gefolgt von der „Ebba 2“, dann die „Tilda Kosan“, zuletzt die „Sulphur Genesis“ – Woher? Wohin? Was drin? Die Gedanken ziehen mit. Wellen schwappen sacht ans Ufer und der Kormoran bleibt sitzen, so als wäre nichts.

Wieder lohnt ein Abstecher – nun zum „Kerzenhof“ nach Schafstedt. Vor einiger Zeit übernahm Familie Bork dort einen Resthof. Mit einem guten Gespür für Gemütlichkeit und Nostalgie wandelte Dorte Bork den alten Kuhstall um in ein Café, das gewiss zu den schönsten in Schleswig-Holstein zählt. Das Team Bork hat ein gutes Händchen für Torten, Kuchen und Co. Candy und Klönschnack also im alten Bauernhof, Kaffeeklatsch und Kulturerlebnis. Man fühlt sich aufgehoben, wenn man die gastliche Stube betritt und beinah so, als ob es ein Kurzurlaub in die Vergangenheit wäre. Die Wohnzimmeratmosphäre mit ihren bunt zusammengewürfelten Tischen, Stühlen und Accessoires aus längst vergangenen, aber dennoch fühlbar nahen, Zeiten zaubert angenehme Nostalgie; das hier ist stimmig. Es ist romantisch; auch echt – viele Dinge, Deko-Geschirr oder alte Modemagazine aus den 50ern, haben Nachbarn auf dem Dachboden gefunden und vorbeigebracht. Die Torten sind ohnehin eine köstliche Verführung! Neben den kulinarischen Leckerbissen gibt es auch kulturelle – Konzerte zum Beispiel. Angeschlossen ist ein kleines Museum, das die Heimatkunde der Gegend liebevoll arrangiert wiederspiegelt. Der Kerzenhof, hier kann der Gast unter Anleitung von Dorte Bork auch Kerzen färben, ist ein authentischer Ort – zum Wohlfühlen. Und die Leute aus dem Dorf treffen sich hier auf einen Klönschnack. Und in die Etagèren greifen nicht nur Kinder; Süßes gibt´s auch für die Großen.

Der Uferweg ist eine gut zu befahrende, gefällige Strecke; grün und gemütlich. Hier riecht es nach wilden Rosen, dort nach Waldmeister und manchmal nach dem Rauch von Holzfeuer, bei den großen Silos der Genossenschaften, die wie Burgen am Ufer stehen, nach Getreide. Sogar eine kleine, verschwiegene Badestelle gibt es hinter Hochdonn – mit Sandstrand und Treppe in die Bucht am Kanal. Die Landschaft ändert sich im Verlauf des Kanals; bisher durch die Ebene der Marsch wird es hügelig; dies ist die Geest, das Rückgrat Schleswig-Holsteins.

Hinter der Straßenbrücke zwischen Albersdorf und Hademarschen lohnt ein Abstecher zum Steinzeitpark Dithmarschen (nahe Albersdorf). Der Weg führt in einen lichten Wald mit Eichen und Buchen in gefälliger, sanfter Hügellandschaft. In der malerischen Niederung des Flüsschens Gieselau mit den Erlen und Röhrichten leben Kröten und seltene Unken, Wasseramseln am Fluss. Wer Glück hat, sieht den Eisvogel gleich einem fliegenden Edelstein umherschwirren. Eine Landschaft, die bereits vor 6000 Jahren Heimat war, geheimnisvolle Steinzeitgräber zeugen von ihrer Anwesenheit und ihrem Totenkult.

Mitten im Wald steht eines dieser fast 50 Meter langen Gräber aus der Jungsteinzeit; Bernsteinschmuck und Steinwerkzeuge haben Forscher hier gefunden, solche Dolmen waren Kollektivgräber – Leichnam um Leichnam wurde hier bestattet. Heute rauscht der Wind in den Kronen der Eichen und ein Specht hämmert beharrlich, ferne Vogelrufe hallen durch den Wald und es sind nicht die frischen Böen allein, die ein wenig Gänsehaut ob dieser mystischen Atmosphäre schaffen. Stehen dann noch urzeitlich anmutende Konik-Pferde in der nebelverhangenen Aue der Gieselau, ist das Bild grauer Vorzeit perfekt.

Wie diese Menschen hier vor tausenden Jahren gelebt haben, ist im Steinzeitpark Dithmarschen rekonstruiert – ein ganzes Steinzeitdorf, das das Leben vor 5000 Jahren zeigt. Es gibt Aktionen zum Mitmachen: Heute werden Steinwerkzeuge aus Flint geschlagen. Schutzbrille und Handschuhe sind ein Muss, denn die Splitter sind schärfer als jedes Skalpell. Neben dem Feuerstein gibt es auch Tipps wie das geht („…nicht draufhauen, sondern abschlagen…“) mit der groben Vorarbeit und der folgenden Feinarbeit mit dem Geweih-Stück. Schaber und einfache Klingen sind nicht schwer; Faustkeile, Sicheln und perfekte Speerspitzen Meisterwerke.

Zwischen Schafstedt und Hohenhörn fließt der Mühlenbach, der Abend senkt sich langsam über seine Niederung; feuchte, saftige Wiesen, aus denen der Nebel steigt, ein Rehbock läuft über die Wiesen, Baumreihen begrenzen, darüber eine späte Sonne mit milchigem Licht, Blätter knistern verhalten im sachten Wind. Vollkommene Ruhe liegt über diesem Ort. Und hier ist endlich einer: Zwischen den Kiefern thront ein Storchennest, darin steht einer dieser schönen Vögel und scheint Eier im Nest zu wenden, schaut immer….ja, wohin? Vielleicht zum Partner, der hier irgendwo über die Wiesen stakst. Und spürt man da nicht wieder ein Schiff? Ein kurzer Weg nur zur Bank am nahen Kanal.

In Hohenhörn (nahe Schafstedt) steht das kleine, feine Gasthaus und Hotel „Kanal 33“ direkt am Ufer. Die kleine Fähre müht sich im Minutentakt über den Kanal, die Silos der Genossenschaft nebenan sehen in ihrem verwitterten Grau aus wie eine Burg aus dem Mittelalter. Vor den Gasthaus ist der Biergarten und auch hier gilt: Schiffegucken. Aus der alten Gastwirtschaft wurde ein Kleinod zum Essen und Übernachten. Die Zimmer sind modern und gemütlich, großzügig und licht. Mehr noch: „Wir haben aus alten Dalben des Nord-Ostsee-Kanals Betten, Schränke und Fensterbänke tischlern lassen. Auch der Fußboden wurde aus dem Douglasienholz der Dalben gefertigt“, erklärt Petra Lucht. Dalben sind die gewaltigen Holzpfosten, die im Wasser stehen und an denen Schiffe festgemacht werden können.

Radfahrer dürfte auch dieser Service interessieren: „Wir haben eine kleine Werkstatt und einen Schlauch-Automaten, nasse Sachen kommen in den Trockenraum und das E-Bike kann man hier aufladen. Nach Vorbestellung organisieren wir Ihnen auch Leihräder von unserem hiesigen Verleih“, sagt Petra Lucht. Und das Schönste, im stimmigen Ambiente der Zimmer, ist der Blick aus dem Fenster – ist Kanal-Kino vom Feinsten: das Hin und Her der kleinen Fähre inklusive abendlichem Schaftransport mit Traktor und Anhänger, der Blick in die grüne Weite Westholsteins und immer wieder Schiffe, Schiffe, Schiffe. Ihre Lichter sind an, das sind wunderschöne Motive vor dem dunkler werdenden Blau der beginnenden Nacht. Schleichen sich fort; nach Hongkong vielleicht oder nach Shanghai. Muhen da irgendwo nicht Kühe? Fernweh beim Schiffegucken und Heimatliebe auf´m Land; und das auf einen Blick – das geht wohl nur hier am Kanal. Wo die Schiffe über´s Land fahren.

Termin-Tipps 2017:

Lichterfest NOK Romantika, 02. September 2017
Sonderausstellung Weltgarten im Steinzeitpark Dithmarschen von Juni bis Okt. 2017
Die Termine der Kreuzfahrtpassagen 2017 im Nord-Ostee-Kanal finden sich unter www.schleusenmeile-brunsbuettel.de

Zu Besuch bei Deutschlands größtem Raubtier

Kapitän Jörn Petersen wendet die „MS Ol Büsum“ im Hafenbecken von Büsum. Das Ziel: die große Seehundsbank draußen vor der Küste. Es ist auflaufendes Wasser und nachdem das Ausflugsschiff die Schleuse passiert hat, fahren Kutter um Kutter mit ihrem Krabbenfang auf dem Rückweg zu ihrem Heimathafen der „MS Ol Büsum“ entgegen. Die Landmarken von Büsum, das Silo und das Hochhaus, verschwinden langsam mit der Küste. Das Schiff nimmt Fahrt auf, und das GPS weist dem Kapitän den Weg nach West. „Wir fahren hinaus zu den äußeren Sandbänken“, erklärt der Kapitän, „rund 20 Kilometer vor der Küste von Büsum liegen große Sandbänke, die auch bei Flut selten untergehen.“

Die Möwen segeln um das Schiff und der Diesel wummert gemütlich. Nach einer guten Stunde Fahrt drosselt der Kapitän die Maschine. Es ist eine amphibische Welt aus Wasser und Land, langsam laufen die Priele voll, noch glänzen Wattflächen unter der aufkommenden Sonne. Und die Seehunde werden bald auf ihre Sandbänke zurückkehren, um zu Ruhen, um zu Rasten. „Die Seehunde leben hier in großen Kolonien“, klingt es aus dem Lautsprecher, „bis zu 150 Tiere zählen wir manchmal.“

Der Kapitän steuert das Schiff aus dem großen Priel, vorsichtig schleicht die „MS Ol Büsum“ auf die Sandbank zu. Tiefenradar, Sonar und die Erfahrung des Kapitäns manövrieren das Schiff sicher in eine Bucht. Die Sandbank liegt sichelförmig in der Nordsee. An ihrer Westseite rollt die See heran; hier in der Bucht – geschützt durch die Sandbank – ist das Wasser ruhig. Bald taucht die erste vorwitzige Schnauze aus dem Wasser auf. Nun sind auch schon ohne Fernglas die ersten dunklen Tiere auf der Sandbank zu erkennen; dicht an dicht, doch jedes auf seinen Platz bedacht. Kapitän Petersen hält das Schiff mit sachtem Zug am Gas sorgsam auf Abstand – nicht nur um ein Auflaufen zu verhindern, sondern vor allem um die Tiere nicht zu stören.

Angst scheinen sie nicht vor dem Schiff zu haben, sie liegen still, schauen mit ihren runden Köpfen dem Schiff aber wachsam hinterher. Die „MS Ol Büsum“ dreht bei, der Kapitän nimmt Gas raus. „Wir sind Nationalparkpartner der ersten Stunde. Wichtig ist, die Tiere nicht zu stören. Wir wollen sie nicht zur Flucht ins Wasser veranlassen – vor allem dann nicht, wenn sie Nachwuchs haben“, sagt Hauke Rahder von der Büsumer Reederei Rahder. Bis in den Sommer gebären die Seehund-Weibchen ihren Nachwuchs. Die Jungen können bereits schwimmen und halten sich mit ihren Müttern in der Nähe der Sandbänke auf. Sie kommen immer wieder dorthin zurück, um zu säugen oder sich auszuruhen. Es geht auch ohne Störung. Und wieder taucht eine Schnauze auf; neugieriger Blick, eleganter Schwung und verschwunden in den Fluten ist der Seehund. Der Kapitän wendet das Schiff in der Bucht und steuert heimwärts.

Nicht weit von Büsum liegt im Süden an der Elbmündung Friedrichskoog, dort ist die Seehundstation: In dieser deutschlandweit einzigartigen Gemeinschaftshaltung können die zwei heimischen Robbenarten Seehund und Kegelrobbe an Land sowie im und unter Wasser beobachtet werden (www.seehundstation-friedrichskoog.de). Der Besuch dieser Station ist ein Muss während eines Urlaubes an der Westküste; sieben Tiere kann man beobachten und die Ausstellung vermittelt interessantes Wissen nicht nur zu den Robben der Nordsee. Aber hier geschieht, neben wissenschaftlicher Arbeit, noch mehr: Die Seehundstation Friedrichskoog bekommt auch Fundtiere – junge Kegelrobben ebenso wie verlassene Seehundjunge; die „Heuler“, von der Mutter getrennte Tiere.

Es kommt vor, dass die Tiere zum Beispiel durch einen Sturm oder eine Störung voneinander getrennt werden. Wer einen „Heuler“ am Strand findet, sollte einen größtmöglichen Abstand bewahren und sofort die örtlichen Fachleute informieren. Die begutachten das Tier und entscheiden dann, was weiter geschieht – oft ist eine junge Robbe oder Seehund nur erschöpft, ruht sich aus und verschwindet dann wieder in der Nordsee. Eine Störung des Tieres schadet ihm nur, deswegen gilt auch: Hunde an die Leine!

Im vergangenen Sommer – dann werden Seehunde geboren – waren es 250 „Heuler“, die von den Seehundbeauftragten der Kommunen und den Leuten der Naturschutzorganisationen an den Stränden gefunden wurden und dann ihre Reise an die Elbmündung antraten. „Die Aufzucht der Fundtiere dauert in der Regel, je nach Alter und Zustand der Tiere, zwei bis drei Monate. Dann werden sie nach einer Gesundheitsprüfung wieder in die Freiheit entlassen“, erklärt Tanja Rosenberger, Leiterin der Seehundstation Friedrichskoog.

„Unsere Tiere, die die Besucher bei uns beobachten können, konnten aus verschiedenen Gründen nicht ausgewildert werden. Derzeit leben fünf Seehunde und zwei Kegelrobben in den großzügig und naturnah angelegten, 800 m² großen, Seewasserbecken“, erklärt die Biologin. Die Tiere dösen oder jagen verspielt durch das Wasser. Die besondere Attraktion ist natürlich die Fütterung der dauerhaft in der Station lebenden Robbe, es gibt übrigens Hering.

Der Bestand an Kegelrobben in Schleswig-Holstein wird auf rund 800 Tiere geschätzt und der an Seehunden auf zirka 9.000 Tiere. Woran kann man denn nun Seehunde von Kegelrobben unterscheiden? „Erstens schon an ihrer Größe: Die Kegelrobbe ist mit bis zu 300 Kilogramm Gewicht bei den Bullen das größte Raubtier Deutschlands. Seehunde sind deutlich kleiner“, erklärt Tanja Rosenberger, „ausgewachsene Tiere wiegen bis zu 120 Kilo.“ Das größte Raubtier Deutschlands übrigens kann weit mehr als zwei Meter groß werden. Und an ihrem Aussehen, besonders an der Kopfform, kann sie jeder Gast während eines an der gesamten Nordseeküste Schleswig-Holsteins angeboten Schiffsausfluges zu den „Seehundsbänken“ erkennen: „Der Kopf der Kegelrobbe ist länglich, der des Seehundes eher rundlich geformt.“

Fachleute ziehen auch die Zähne dazu heran. „Apropos Gebiss: Wir sprachen über das größte Raubtier Deutschlands – aber auch der Biss eines Seehundes kann gravierende Folgen für den Menschen haben. Auch aus diesem Grund gilt: Halten Sie Abstand zu den Tieren, sollten Sie welche am Strand entdecken! Und auch wenn sie noch so träge aussehen – sie sind schneller als der schnellste Sportler.“ Man kann schließlich das Ausflugsschiff und ein Fernglas nehmen. Oder zurück nach Büsum fahren und sich dann nach Helgoland übersetzen lassen: Wieder zum Beispiel mit der Reederei Rahder, die „MS Lady von Büsum“ fährt rüber. Der Verein Jordsand und die Reederei bieten die Möglichkeit an, auch im Rahmen eines Tagesbesuches die Natur der Nachbarinsel Düne zu erleben und die Kegelrobben zu besuchen. Auf Helgoland angekommen, bringt ein Börteboot die Gäste vom Schiff direkt zur Düne, dort gibt es eine Führung. (www.rahder.de)

Vor der Felseninsel draußen in der hohen See liegt die Düne, ihre kleine Schwesterinsel. Dort wurden in der vergangenen Wurfsaison mehr als 350 junge Kegelrobben geboren. Dort wächst Deutschlands Kegelrobbenpopulation; dorthin kommen die Tiere, um sich zu paaren, dorthin kommen sie, um zu werfen. „Kegelrobbenjunge werden im Winter geboren“, erklärt Rebecca Störmer, „Seehunde im Sommer.“ Sie leitet die Helgoländer Station des Vereins Jordsand (www.jordsand.de). Rebecca Störmer und ihre Mitarbeiter halten ein Auge auf die Kegelrobben. Und auf die Besucher: Besonders zur Wurfzeit von Ende November bis Februar liegen die Tiere so dicht am Strand, dass der Sicherheitsabstand von dreißig Metern zwischen Mensch und Tier kaum mehr eingehalten werden kann. „Dann heißt es umdrehen“, sagt Rebecca Störmer, „denn ein Ausweichen durch die geschützten Dünen ist nicht erlaubt.“ Aber einen naturkundlichen Lehrpfad haben die Helgoländer eingerichtet – um die Düne zu erleben und immer wieder Kegelrobben beobachten zu können. Im Winter gibt es zusätzlich einen Bohlenweg.

Die Jordsand-Leute bieten geführte Touren dorthin an, zur Wurfsaison natürlich mit dem Schwerpunkt auf den jungen Kegelrobben. „Aber auf der Düne kann man Kegelrobben jeden Alters und zu jeder Zeit sehen – vielleicht nicht immer tausend Tiere auf einem Mal, wie zum Fellwechsel im Frühling. Aber nirgendwo so gut wie hier“, sagt Rebecca Störmer. Nach dem Anlanden auf Düne verliert sich der Weg schnell in eben solchen. Wer Kegelrobben beobachten möchte, geht am Strand entlang.

Die Steine kollern in der kräftigen Brandung, hoch läuft die Nordsee auf. Schon bald sind erste Tiere auf dem Strand zu sehen. „Es sind Kegelrobben“, sagt Rebecca Störmer und hebt das Fernglas, „hier leben zwar auch Seehunde; aber da hinten, das sind Kegelrobben.“ Herrscht zur Wurfzeit, der darauffolgenden Paarungszeit und schließlich zum Fellwechsel ein ziemliches Geschiebe und Getöse am Strand, erscheint es in der übrigen Zeit relativ ruhig. Aber dennoch – es ist faszinierend, diese Tiere vor der wilden Brandung zu beobachten.

Ihr Gebiss im Gedächtnis und ihre unglaubliche Geschwindigkeit im Sinn; selbst bei dem gebotenen Mindestabstand ist auch ein Blick ohne Fernglas kein Verlust einer einmaligen Naturbeobachtung. „Die Tiere kommen hierher um sich auszuruhen und Sonne zu tanken. Helgoland liegt mitten im Lebensraum der Kegelrobben, sie können bei der Nahrungssuche immense Strecken zurücklegen“, sagt Rebecca Störmer, „aber an Land müssen sie trotzdem kommen – neben den großen, ungestörten Sandbänken vor den Inseln der deutschen Küste ist das hauptsächlich Helgoland.“

Plötzlich kommt Bewegung in eine Gruppe der massigen Tiere. Die Lage beruhigt sich schnell wieder, im Gegensatz zur Paarungszeit, wenn es hier mitunter ruppig zugeht. Stundenlang kann man um die Insel Düne streifen und immer schön den Blick auf die Tiere da haben. Mit Abstand. Denn es ist Deutschlands größtes Raubtier. Und es ist ihr Reich.

Ausflüge und Einrichtungen zum Beobachten von Seehunden und Kegelrobben

An der Nordseeküste Schleswig-Holsteins gibt es zahlreiche Anbieter von Seehund-Ausflugsfahrten sowie Möglichkeiten Seehunde und Kegelrobben aus nächster Nähe zu beobachten.

Auswahl von Anbietern von Ausflugsfahrten zu den Seehundbänken

Reederei H.G. Rahder: Ausflugsfahrten ab Büsum zu den Seehundbänken
Kontakt:
Reederei H.G.Rahder
Reetdach-Pavillon vor den Schiffen am Ankerplatz/Fischerkai in Büsum
25761 Büsum
Tel.: 0 48 34 / 36 12
E-Mail: info@rahder.de
www.rahder.de

W.D.R.: Ausflugsfahrten ab Föhr, Amrum, Dagebüll und Schlüttsiel zu den Seehundbänken
Kontakt:
Wyker Dampfschiffs-Reederei Föhr-Amrum GmbH
Am Fähranleger 1
25938 Wyk auf Föhr
Tel.: 0 46 67 / 9 40 30
E-Mail: info@faehre.de
www.faehre.de

Halligreederei MS Seeadler Heinrich von Holdt: Ausflugsfahrten ab Schlüttsiel und Hooge zu den Seehundbänken
Kontakt:
Kapitän Heinrich von Holdt
Neuer Weg 4
25842 Ockholm
Tel.: 0 46 74 / 15 35
E-Mail: mail@seeadler-hooge.de
www.seeadler-hooge.de

Neue Pellwormer Dampfschifffahrts GmbH: Ausflugsfahrten ab Pellworm zu den Seehundbänken
Kontakt:
Neue Pellwormer Dampfschiffahrts GmbH NPDG
Am Tiefwasseranleger 1
25849 Pellworm
Tel.: 0 48 44 / 7 53
E-Mail: info@faehre-pellworm.de
www.faehre-pellworm.de

Reederei Adler: Ausflugsfahrten von List/Sylt, Hörnum/Sylt, Nordstrand, Eidersperrwerk, Tönning zu den Seehundbänken
Kontakt:
Adler-Schiffe GmbH & Co. KG
Boysenstraße 13
25980 Sylt / OT Westerland
Tel.: 0 46 51 / 98 70 888
E-Mail: info@adler-schiffe.de
www.adler-schiffe.de

Halligreederei MS „Hauke Haien“: Ausflugsfahrten ab Wyk auf Föhr und Schlüttsiel zu den Seehundbänken
Kontakt:
Halligreederei MS “Hauke Haien”
Kapitän Bernd Diedrichsen
Bredstedter Straße 35
25813 Husum
Tel.: 0 48 41 / 8 14 81
E-Mail: info@wattenmeerfahrten.de
www.wattenmeerfahrten.de

Halligmeerfahrten mit MS „Rungholt“: Ausflugsfahrten ab Schlüttsiel und Langeneß zu den Seehundbänken
Kontakt:
Halligmeerfahrten
Kapitän Uwe Petersen
Westerweg 4
25899 Galmsbüll
Tel.: 0 46 67 / 3 67
E-Mail: info@halligmeerfahrten.de
www.halligmeerfahrten.de

Ausflugsfahrten mit MS „Eilun“: Ausflugsfahrten ab Amrum zu den Seehundbänken
Kontakt:
Kapitän Bandix Tadsen
Waasterstigh 18a
25946 Nebel /Amrum
Telefon: 0 46 82 / 23 33
E-Mail: info@eilun.de
www.eilun.de

Informationszentren

Seehundstation Friedrichskoog
Im „Informationszentrum Seehund“ und der Erlebnis-Ausstellung „Robben der Welt“ haben Groß und Klein vielfältige Möglichkeiten, sich aktiv über die heimischen Meeressäuger, ihre Biologie, Gefährdungen und Schutzmaßnahmen im Lebensraum Wattenmeer zu informieren.
Kontakt:
Seehundstation Friedrichskoog
An der Seeschleuse 4
25718 Friedrichskoog
Tel.: 0 48 54 / 13 72
E-Mail: Info@seehundstation-friedrichskoog.de
www.seehundstation-friedrichskoog.de

Westküstenpark & Robbarium
Das Robbarium in St. Peter-Ording ist die größte mit reinem Nordseewasser gefüllte Seehundanlage Deutschlands, 2x täglich gibt es Seehundvorführungen und Wildtierfütterungen.
Kontakt:
Westküstenpark & Robbarium
Wohldweg 6
25826 St. Peter-Ording
Tel: 0 48 63 / 30 44
E-Mail: info@westkuestenpark.de
www.tierpark-westkuestenpark.de

Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum
Das Multimar Wattforum informiert in einer interaktiven Erlebnisausstellung über den Lebensraum Wattenmeer.
Kontakt:
Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum
Dithmarscher Str. 6a
25832 Tönning
Tel.: 0 48 61 / 96 200
E-Mail: info@multimar-wattforum.de
www.multimar-wattforum.de

Seehunde und Kegelrobben auf Helgoland

Auf der Nachbarinsel Helgolands, der Düne, ruhen sich nicht nur sonnenhungrige Menschen aus, sondern auch Kegelrobben und Seehunde. Das bietet eine einzigartige Möglichkeit, die Tiere in ihrem natürlichen Umfeld zu fotografieren und zu beobachten. Um ein verständnisvolles Miteinander zwischen Mensch und Tier zu erreichen, sind die folgenden Verhaltensregeln unbedingt zu beachten:
Robben sind Raubtiere! Um die Tiere nicht aufzuscheuchen und ihnen genug Platz zum Agieren zu lassen, aber auch um die eigene Sicherheit zu gewährleisten, muss immer mindestens 30 Meter Abstand zu Kegelrobben und Seehunden eingehalten werden. Menschen müssen sich in der Nähe der Tiere ruhig verhalten. Aus Sicherheitsgründen und da die Tiere Krankheiten übertragen können, dürfen sie nie angefasst werden, auch dann nicht, wenn sie alleine liegen. Kinder sollten in der Nähe der Tiere an die Hand genommen werden. Das Füttern der Robben ist verboten.
Der Verein „Jordsand zum Schutze der Seevögel und der Natur e.V.“ bietet regelmäßig fachkundige Führungen zur Kegelrobben-Beobachtung auf der Düne an.
Jordsand zum Schutze der Seevögel und der Natur e.V.
Hummerbude 35
27498 Helgoland
Tel.: 0 47 25 / 77 87
E-Mail: helgoland@jordsand.de

Abenteuer am Elbeufer

An der Elbe muss es nicht immer ruhig und beschaulich zugehen. Neben purer Natur bieten die Winsener Elbmarsch und die Lüneburger Elbtalaue so einige Möglichkeiten für Familien, abwechslungsreiche Urlaubstage zu verbringen. Schon hinter der nächsten Flussbiegung wartet ein neues Abenteuer. Hier gibt es Tipps für kurzweilige Unternehmungen.

– Das Elbfloß entern. Mit einem schwankenden Floß über die Elbe gleiten – klingt aufregend, ist in jedem Fall aber ein sicherer Spaß für Familien. Auf diese Weise können Jung und Alt die vielfältige Natur- und Kulturlandschaft aus neuer Perspektive vom Wasser aus erleben. Mehr Infos zu diesen und weiteren Erlebnistouren: www.erlebnis-elbe.de.

– Eine Grenzerfahrung: Über Jahrzehnte bildete die Elbe einen Teil der deutsch-deutschen Grenze. Geschichts-Unterricht – gar nicht trocken, sondern höchst spannend – erleben Urlauber bei einer Tour mit dem „Grenzgänger“ Holger Hogelücht.

– Ein Fahrstuhl für Schiffe: Es ist schon ein mulmiges Gefühl, wenn man in luftiger Höhe über sich ein Schiff ausmacht. Doch keine Sorge, die Schiffe fahren sicher über die Köpfe der Besucher hinweg. Dieses einmalige Erlebnis ermöglicht das Schiffshebewerk Scharnebeck. Per Fahrstuhl werden hier große Binnenschiffe 38 Meter tief in den Elbe-Seitenkanal abwärts oder auch wieder hoch bugsiert. Informationen finden sich unter www.schiffshebewerk-scharnebeck.de.

– Auf der Spur des Bibers: Wildtiere faszinieren Kinder in jedem Fall. Ein Stelldichein mit dem Biber ist etwa bei einem Besuch im Biosphaerium möglich. Der in der Region wieder „eingebürgerte“ Biber und die Fische der Elbe lassen sich hier hautnah beobachten. Mehr Informationen gibt es auf www.biosphaerium.de.

– Wassermühle in Aktion: Wie wäre es, einmal eine Wassermühle in Aktion zu erleben? Möglich ist dies in Karoxbostel bei Winsen/Luhe. Technikfans jeden Alters werden von der ausgeklügelten Mechanik und dem Blick hinter die Kulissen begeistert sein. Mehr Informationen findet man unter www.wassermühle-karoxbostel.de.

Nordsee Urlaubstipps für Familien

Gespannte Erwartung an Bord. Kapitän Bandix Tadsen steuert die kleine MS „Eilun“ aus dem Hafen von Wittdün auf Amrum hinaus in das Fahrwasser. Das Ziel ist der große Priel zwischen Amrum und Föhr. „Auf der Sandbank vor der Nachbarinsel liegen die Seehunde, da wollen wir hin!“ Vorher aber gibt es noch ein kleines Programm: Hauptdarsteller sind diejenigen, die in der Nordsee leben – und das sind mehr als Seehund und Krabbe. Seesterne gibt es hier und Seeigel, soweit klar. Aber sogar Seeskorpione? Ein Raunen macht die Runde und die Passagiere versammeln sich am Heck; dort, wo Matrose Andrej das kleine Schleppnetz aus den Fluten zieht. Die Kinder vorneweg dabei und genauso neugierig sind die Großen. Seeskorpione also und auch Seenadeln, wer hätte das gedacht. „Vor allem auf unseren Krabbenfangfahrten haben wir diese Kandidaten im Netz, aber auch bei der Fahrt zur Seehundsbank sind sie manchmal dabei“, sagt Käpt´n Tadsen und sortiert mit dem Matrosen den Fang. Wer traut sich einen Seestern auf die Hand zunehmen? Der übrigens ist der Todfeind der Miesmuschel. Und das geht so: Der Seestern umklammert die Muschel, irgendwann muss die sich öffnen um zu atmen – dann stülpt der Seestern seinen Magen in die Muschel und saugt sie aus! Da staunen alle. Der Seestern, der sympathische … Und der Seeskorpion? Die Frage aus dem Publikum. Heute ist einer im Netz, Tadsen zeigt ihn herum, ein recht fies aussehendes Gesicht hat dieser Fisch „…deswegen nennen wir ihn auch Pitbull des Meeres.“ Sagt Käpt´n Tadsen und steuert die „Eilun“ nun vor die Sandbank, um die Seehunde zu beobachten (Ferngläser können gegen eine Spende für die DGzRS an Bord geliehen werden). Die aalen sich in der Sonne und fühlen sich keineswegs gestört. Und die krassen Kreaturen vom Fang? Gingen wieder über Bord und sind auch wieder in der Nordsee unterwegs. Und alle Gäste staunen noch ein bisschen. Schau an – die Nordsee ist voller Überraschungen. www.eilun.de

Lernen, staunen, neugierig sein. Erst drinnen und dann draußen. Im Erlebniszentrum Naturgewalten in List auf Sylt können Kinder wie Erwachsene sehen, hören und fühlen, wie es ist an der Nordsee. Und warum. Warum ist es denn verboten, die Möwen zu füttern? Wie stoppt man wandernde Dünen? Und unter welchen Umständen kann Baden gegebenenfalls gefährlich werden? Zusammen schaut man sich den Film „Hier is tierisch watt los“ an und beim gemeinsamen Beantworten der Fragen, weiß man, wer aufgepasst hat. Und nun eben Bescheid weiß. Das Erlebniszentrum ist eine hervorragende Ausstellung, ein klasse Mitmach- und Lernding; eben etwas zum Erleben und zum gemeinsamen Entdecken. Spielerisch und spannend. Wenn die Familie zum Beispiel in den Sturmraum geht und sich Windstärke 8 um die Nase stürmen lässt. Oder es im Wellenkanal krachen lässt. Während den Kindern die Bewohner des Naturraumes Nordsee vorgestellt werden (und nicht nur denen; schon mal filigrane Quallen-Kinder bestaunt?), ist es für die Erwachsenen vielleicht interessant zu erfahren, wie und warum die Sandaufspülungen für den Schutz und Erhalt der Insel so wichtig sind. Dieses Erlebniszentrum bietet an und regt an; zum Mitmachen, zum Lernen, zum Staunen. Und dann ist Zeit, die Welt draußen zu entdecken. Eine Naturführung ins Watt vielleicht, gleich vor der Tür. Die Krebse und die Muscheln mal selbst anfassen. Kinder trauen sich das mit dem Wurm meist eher als die Erwachsenen. Und nein, die gelbe Spur vom Wurm auf Ihrer Hand das ist ausdrücklich nicht, also dass der vor Schreck … Echt nicht! Aber fragen Sie das Ihren Wattführer. Diese Frage und viele Weitere kommen gewiss, nicht nur von Kindern. www.naturgewalten-sylt.de

Ein kräftiger Trompetentusch erschallt über den Deich von Büsum. Und gleich noch einmal. In alle Himmelrichtungen ein Trompetentusch – und wer´s kennt, der weiß: Jetzt geht es los! „Herzlich willkommen zum Wattenlaufen mit Musik“, Büsums erste Wattenpräsidentin Sylvia-Birgitt Zeidler begrüßt die Gäste. Sie ist nicht nur die erste Wattenpräsidentin, sie ist die einzige der Welt; „…und ich bin der Spaßfaktor im Watt.“ Also, dann mal los. Mit Pauken und Trompeten geht es die Freitreppe hinunter und die fünf Mann vom Kurorchester vornweg hinein ins Watt, auf diese große, großartige Bühne. Wo heute in Büsum extra was geboten wird. Angeführt von der Zeremonienmeisterin mit Bollerwagen und die Gäste, lustig und erwartungsvoll, hintendrein. Walzer, Marschmusik, Dixieland; fröhlich geht´s zum Flutsaum. Und man ahnt es bereits: herzlich ist das hier und nicht ganz ernst gemeint. Denn im Bollerwagen hat die Wattenpräsidentin allerhand Utensilien für einen einzigartigen Ausflug mit erheblichem Spaßfaktor. Eierlaufen und Ententanz, zum Tauziehen – und für die Taufe! Am Wasser findet der Höhepunkt dieses Wattenlaufens statt: die Taufe in Neptuns Namen und mit Nordseewasser aus der Gießkanne. Klar, dass jeder Teilnehmer auch einen Namen bekommt. Wer ist die Badenixe? Wer der Wattwurm? Für die Großen gibt´s einen Schnaps, die Kinder bekommen einen Wattwurm zum Naschen (der aus Naschgummi ist, aber das muss vorher vielleicht nicht verraten werden). Die Tradition des Wattenlaufens mit Musik ist übrigens einmalig und in dieser Saison 117 Jahre alt. Heute lustig, modern und für Unterhaltung für alle Altersklassen. „Das Watt ist für uns eine der schönsten Bühnen, auf der wir je spielen durften“ – das sagt Dariusz Gniewosz, der Leiter des Kurorchesters. Ein Tusch, es geht zurück, die Nordsee kommt wieder. Die Kapelle spielt Jazz. Wind verweht die Klänge, das Wasser verwischt die Spuren; wer nicht dabei war, kann das kaum glauben. www.wattenlaufen.de

Dies ist die spannendste Uni der Welt: abenteuerliche Expeditionen und interaktive Vorlesungen bringen Euch das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer, Landschaft und Leben an der Nordsee näher – Willkommen in der Kinder-Uni auf Föhr. „Das ist ein Urlaub, während dem sich die Kinder garantiert nie langweilen“, verspricht Ann-Kathrin Meyerhof von Föhr Tourismus, „genau das ist Familienurlaub auf Föhr. Durch die Kinder-Uni werden die Sommerferien für die Kleinen zu einem besonderen Erlebnis. Wissenshungrige Kinder zwischen fünf und vierzehn Jahren finden viele Möglichkeiten, Dinge und Zusammenhänge zu entdecken. Und dabei spielerisch auch die Kunst und Kultur dieser Nordseeinsel und ihren Lebensraum erleben.“ Und dabei Neues lernen.“ Und nicht nur die Kinder: Auch Erwachsene dürfen bei manchen Veranstaltungen dabei sein, sie sollten sich aber im Hintergrund halten und Kindern den Vorrang lassen. Nach den Vorlesungen stehen die Dozenten gern Rede und Antwort; der Lehrkörper ist übrigens hochkarätig besetzt – in den vergangenen Jahren konnte zum Beispiel der Klimaforscher Mojib Latif für Vorlesung und Exkursion gewonnen werden. Da wird auch manch Erwachsener gern zuhören. Aber: Föhr ist eine riesige Fundgrube an Geheimnissen und spannenden Sachen; hier werden Kinder zu Forschern und entdecken spielerisch, ob Miesmuscheln zum Beispiel mies sind oder wie nach den Sternen nachts navigiert wird. Interessant wird es auch, wenn die drei großen Raubtiere – Seehund, Kegelrobbe, Schweinswal – vorgestellt werden oder die Haie, die es auch in der Nordsee gibt. Forschertouren und Fahrradausflüge – seit mehreren Jahren ist die Kinder-Uni Föhr ein Garant für gelungenen Urlaub. Bei dem alle was lernen können – und dann übernehmen die Kleinen mal das Kommando beim Familienausflug auf Föhr. Denn die wissen was. www.foehr.de/kinderuni-foehr

„Mama, das schaffst Du!“ Der kleine Junge macht der Mutter Mut. Hoch oben in den Bäumen führt ein Seil durch die Wipfel, hinunter und hinein in den Wald. Ein Riesenspaß – wenn man sich traut. Der Junge steht unten, berichtet atemlos und aufgeregt von seinem kleinen Abenteuer. Und der Besucher sieht, dass er unbedingt und gleich noch mal durch die Bäume fliegen möchte. Aber erstmal der Rest der Familie. Die Mutter sitzt auf der Plattform und kontrolliert ihre Sicherungsgurte und dann …Doch, auch Nordfriesland hat seinen Wald. Nahe der Stadt Leck befindet sich an der B199 Richtung Flensburg der Klettergarten „Filu“ und lädt ein zum familiären Höhenrausch. Bevor man zum rasanten Wipfelflug an der 200-Meter-Seilbahn starten kann oder darf oder – für manche – muss, heißt es: den Kletterparcours zu bewältigen. Erst bedeutet dies, sich wie Tarzan auf dem „Jumpway“ von Plattform zu Plattform zu bewegen, dann müssen die „Islands“ überquert werden – Plattformen, die zwischen den Bäumen an Seilen aufgehängt sind. Dass das alles wackelt, schwingt und schlingert, ist klar. Ebenso wie die Seilschlaufen und Rundhölzer. Und dann kommt das Spinnennetz: ein fünf Meter breites Netz, geflochten aus Seilen – da muss man durch. Wenn man fliegen will. Das Ganze natürlich gesichert an Gurten und nur nach Einweisung. Interessant zu beobachten, ist die Tatsache, dass die Kinder mutiger sind als die Erwachsenen – und die erst Mut fassen, wenn der Nachwuchs, nun ja, „…in den Seilen hängt“. Aber dann, dann klettert, schwingt, wackelt und fliegt schließlich die Familie hoch oben durch den Wald bei Leck. Übrigens: Deutschlands nördlichster Klettergarten ist auch für Menschen mit Handicap ein Erlebnis, es gibt Abschnitte (auch die Seilbahn), die von Rollstuhlfahrern absolviert werden können. www.klettern-leck.de

Was für ein Strand, was für ein Freiraum! St. Peter-Ording, das heißt nicht nur endlos viel Platz zum Toben und Spielen, sondern: Sag St. Peter-Ording und die Leute denken auch an Surfen, Kiten, Strandbuggy & Co. Hier ist Platz und reichlich Nordsee für den Sport mit Wasser, Wind und Wellen. Am breiten Strand finden Familien die Möglichkeit, sich gemeinsam diesen sportlichen Leidenschaften zu widmen – oder sie zu lernen (bei Kindern ist bzgl. der Kurse ggf. auf das Alter bzw. die Körpergröße zu achten). Und dann zusammen über´s Meer zu gleiten oder die Wellen abzureiten. Wie wäre es denn, mit dem Strandsegelwagen oder dem Kitebuggy um die Wette zu rollen oder mit dem Board über die Nordsee zu flitzen? Windsurfern und Kitern gilt das Revier vor Eiderstedt als eines der besten in Deutschland. Die Bedingungen vor „SPO“ jedenfalls sind ideal – Wind und Wellen oft ein Traum – und die Angebote auch: Für alle, die eine dieser Sportarten lernen möchten, ist in St. Peter-Ording zum Beispiel das Wassersportcenter X-H20 (www.x-h2o.de) die richtige Anlaufstelle: zum Beispiel werden Schnupper-, Einsteiger-, Aufsteiger- und Umsteigerkurse für erwachsene Surfer angeboten und natürlich Extra-Kurse für Kinder. Und die etwas gemütlichere Variante in Sachen Wassersport, das Stand-Up-Paddling, lässt sich ebenfalls erlernen. Also, wer Lust auf Wasser und Surfen hat; hin! Grundsätzlich sind auch Privatstunden möglich, aber die entsprechenden Kurse – die Gruppen sind so gehalten, dass niemand zu kurz kommt aber alle auf ihre Kosten – sind für jeweiligen Teilnehmer optimiert. Und dann, wenn die Kleinen und die Großen auf demselben Level sind und die Lizenz haben, dann sucht man sich die Ausrüstung aus – und geht gemeinsam hinaus auf´s Wasser; zu den Wellen und dorthin, wo der Wind wohnt. www.st-peter-ording.de

Biikebrennen

Mag das Wetter noch so grauslich sein: Am 21. Februar wird es im Lande der Nordfriesen urgemütlich, denn dann treiben sie alljährlich an ihrer Küste, auf den Inseln und Halligen mit gewaltigen Biikefeuern, mit Essen, Trinken und Tanzen den Winter aus.

Rund 50 Feuer brennen auf den Inseln und Halligen und dem nordfriesischen Festland an diesem Abend.

Die Biike (Sylter Friesisch das „Feuerzeichen“) geht bis auf heidnische Zeiten zurück und sollte zum Ende des Winters die bösen Geister vertreiben. Von diesem Ursprung hat sich bis heute teilweise in Nordfriesland der Brauch erhalten, eine Strohpuppe mit zu verbrennen. 2014 wurde das Biikebrennen in das nationale Verzeichnis der immateriellen Kulturgüter aufgenommen.

Beim Biikebrennen, dem ältesten nordfriesischen Brauch, sind die Einheimischen bis heute mit Begeisterung dabei. Mancherorts sammeln die Konfirmanden schon Wochen vorher Holz und Reisig, aber auch in den friesischen Vereinen und in den Küchen geht es rund. Und wenn der riesige Holzstoß dann heruntergebrannt ist, treffen sich die Nordfriesen und ihre Gäste zum deftigen Grünkohlessen mit Kasseler und Schweinebacke, Teepunsch und Grog.

Viele Veranstaltungsorte des Biikebrennen 2017 finden sich auf http://www.nordseetourismus.de/biikebrennen-nordsee

Radfahren und Wattwandern an der niedersächsischen Nordseeküste

Flaches Land, gesunde Luft und die weitläufige Natur des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer laden Fahrradurlauber an die Nordsee ein: Sie radeln auf gut ausgeschilderten Routen vorbei an geringelten Leuchttürmen, alten Mühlen, historischen Gutshöfen und durch urige Fischerdörfer. Dort werden sie mit einem freundlichen „Moin Moin“ begrüßt und können sich mit üppig belegten Fisch- oder Krabbenbrötchen stärken. Von Emden im Westen bis Hamburg im Osten verläuft beispielsweise ein Abschnitt des Nordseeküsten-Radwegs, des wohl längsten beschilderten Radwegs der Welt. Er führt auf insgesamt 6.000 Kilometern durch sechs europäische Länder. Seine ostfriesischen Etappen auf autofreien Radwegen und abgelegenen Landstraßen sind auch für Hobbyradler und Familien geeignet.

Radeln entlang der Störtebekerstraße

Entlang der niedersächsischen Nordseeküste gibt es aber noch viele weitere Radrouten und Rundkurse: Bei Krummhörn etwa radelt man durch sogenannte Warfendörfer, vorbei an Häuptlingsburgen und alten Schlössern zum Campener Leuchtturm. Er ist Deutschlands höchster „Wegweiser“, man genießt eine spektakuläre Aussicht übers weite grüne Land. Auch von Wilhelmshaven aus lässt sich das beschauliche Friesland mit den hübschen Städtchen Hooksiel, Jever und Dangast erkunden. Rund um das Nordseebad Cuxhaven führen die Radwege über den Deich an der Elbmündung entlang. Mit einem Abstecher ins Hinterland lassen sich die Melkhüser entdecken, in denen der eigene Akku mit leckeren Milchspezialitäten aufgeladen werden kann. Unter www.reiseland-niedersachsen.de gibt es mehr Tipps und Informationen zu Touren.

Krebse, Muscheln und Wattwürmer

Bei einem Besuch an der ostfriesischen Nordseeküste sollte man eine Wattwanderung nicht verpassen, bei der man den einzigartigen Lebensraum Wattenmeer aus der Nähe erleben kann. Auf den ersten Blick erscheint der Meeresboden karg, doch bei näherem Hinsehen sind unzählige Garnelen, Einsiedlerkrebse, Muscheln und Wattwürmer zu sehen. Geführte Touren durchs Weltnaturerbe Wattenmeer führen beispielsweise in zweieinhalb Stunden von Neßmersiel bis zur Insel Baltrum oder in sportlichen sieben Stunden von Dangast zum Arngaster Leuchtturm. Spezielle Kinderwattwanderungen gibt es in Eckwarderhörne. Und beim „Nordic Walking im Watt“ reicht der Blick von Cuxhaven aus bis zur Insel Neuwerk.

Auf den Spuren der geschichtsträchtigen Elbschifffahrt

Von Traumschiff-Flair und Kapitänsdinner keine Spur: Der Alltag auf den Elbfrachtschiffen des 18. und 19. Jahrhunderts war hart und arbeitsreich. Ob Lebensmittel, Salz oder auch Bauteile – so gut wie alles wurde auf dem Wasserweg über weite Distanzen transportiert. Von und mit der Elbe lebte schon damals die Bevölkerung der Stadt Lauenburg im Süden Schleswig-Holsteins. Bis heute prägt diese Historie das Bild des Ortes. Von Streifzügen durch die Natur über einen Bummel durch die gemütliche Altstadt bis zu sehenswerten Museen: Lauenburg ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert.

Der „Rufer“ begrüßt Schiffe und Besucher

Die Geschichte der Elbschifffahrt ist in Lauenburg allgegenwärtig. Dies beginnt bereits mit der Begrüßung durch den „Rufer“, dem gleichnamigen Denkmal, das allen vorbeifahrenden Schiffen und Besuchern gewidmet ist. Beim Spaziergang durch die Altstadt mit ihren schmalen Gassen und den charakteristischen Fachwerkshäusern fühlt man sich in vergangene Epochen versetzt. Sehenswert ist etwa die Elbstraße im Zentrum mit Gebäuden aus dem 16. bis 19. Jahrhundert, die vom damals blühenden Geschäftsleben berichten. Wer mehr dazu erfahren möchte, kann ganzjährig im liebevoll eingerichteten Elbschifffahrtmuseum eine spielerische Zeitreise unternehmen. Mit Mitmachstationen, Filmeinblendungen und historischen Ausstellungsstücken ist an Besucher jeden Alters gedacht. Unter www.elbschifffahrtsmuseum.de und www.lauenburg-tourismus.de gibt es alle Informationen.

Ausflüge ins Naturschutzgebiet

Historie buchstäblich zum Anfassen präsentiert auch das E-Werk Lauenburg. Das mit Wasserkraft betriebene Elektrizitätswerk aus dem Jahre 1921 wird bis heute gepflegt und zeigt faszinierende Technik. Nicht minder fesselnd ist ein Blick auf die weite Natur rund um den Ort. Von Lauenburg aus gelangt man auf einer kleinen Wanderung direkt in das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe und das Naturschutzgebiet Hohes Elbufer. Geführte Wanderungen zeigen regelmäßig die gesamten Schätze, welche die Natur hier zu bieten hat. Und wer diese Eindrücke von der Wasserseite aus abrunden möchte, kann historische Planken betreten: Der kohlebefeuerte Schaufelraddampfer „Kaiser Wilhelm“, gebaut im Jahr 1900 und größtenteils original erhalten, bricht als schwimmendes Museumsexponat regelmäßig zu Ausflugstouren auf. Spätestens dann fühlt sich der Besucher den Elbschifffahrern von einst ganz nah.

Unterwegs im herbstlichen Nolde-Land

Das Reetdach des Bauernhauses verschmilzt mit den dunklen, drohenden Wolken. Der Himmel darüber flammend orange. Letzte Blumenpracht in kräftigem blau und altrosa. Die Szene wirkt düster und dramatisch; gewiss überzeichnet – und trotzdem seltsam schön. Es ist ein Gemälde des Malers Emil Nolde, der in seiner nordfriesischen Heimat Motive fand, die er so malte, dass sie das Land auf eindrucksvolle Weise portraitierten. Ja interpretieren; denn oft zeigen seine Werke das, was man spürt unter dem hohen Himmel Nordfrieslands, in der einsamen Weite von Marsch und Koog. Gerade im Herbst, wenn das Sommersatte dem Abschiedhaften und Düsteren, dem Schaurigschönen des Herbstes weicht.

Es sind Bilder voller Mystik und Magie, die der Reisende bei herbstlichen Ausflügen im „Nolde-Land“ sieht. Emil Nolde lebte in unmittelbarer Nähe der dänischen Grenze, er hieß eigentlich Hansen und wurde im heutigen dänischen Ort Nolde geboren. Zeitlebens war er von dieser Landschaft Nordfriesland angetan, fasziniert – hier fand der Expressionist Motive in Fülle. So sind es Bilder und Eindrücke, die dem Gast, so er Noldes Bilder kennt, bekannt vorkommen: Warften vor hohem, wilden Himmel, Ziegelstein und Wolken in flammendem Rot, letzte Blütenpracht in kräftigen, strahlenden Farben. Nur ein Beispiel. Wer sich jetzt in Nordfriesland auf den Weg macht, findet Zeit und Raum, um seine Phantasie spielen zu lassen – findet Orte, wie Nolde sie kannte und in Szene setzte. Und wer dem irren Tanz der Stare beiwohnt, begeht einen Ausflug ins Traumhafte – auf den Spuren von Emil Nolde.

Wer Noldes Bilder noch nicht kennt, wird von den Farben und Landschaftsbildern des herbstlichen Nordfrieslands beeindruckt sein – wenn zum Beispiel die Abendsonne den Himmel in Szene setzt und die letzte Farbenpracht aufflammen lässt. Der Herbst ist die Zeit des Umbruchs; noch üppig, aber schon unwirtlich. Eine Zeit der Kontraste, so wie sie auf den Bildern Noldes oft zu sehen ist. Eine eigenartige Faszination geht von dieser einsamen Landschaft aus und diese Stimmungen hat niemand so ergreifend und einfühlsam festgehalten wie Emil Nolde. Es lohnt sich, nach einem Besuch des Museum der Nolde-Stiftung in Seebüll, auf Entdeckungsreise zu gehen.

Das Nordfriesische Festland ist auch das Land der Warften, noch heute zeugen Orts- und Hofnamen wie Carstenshallig und Bohnenhallig oder Ockholm (Holm bedeutet Insel) davon, dass dieses Land einst dem Rhythmus der Gezeiten unterworfen war. Die Zeit, zu der Nolde hier lebte und arbeitete, war auch eine Zeit des Umbruchs – das Land wurde zunehmend eingedeicht, entwässert und urbar gemacht. Oft fuhr Emil Nolde mit seiner Frau Ada mit dem Boot auf den Kanälen und kleinen Flüssen, die diese Gegend damals wie heute durchziehen; Seen und Siele bildeten seinerzeit jedoch ein viel größeres Labyrinth einer amphibischen Landschaft. Nolde war von dieser Landschaft fasziniert, sie inspirierte ihn immer wieder. Dieses „Urweltliche“ fand sich zu Noldes Zeiten hier in der weiten Marsch- und Kooglandschaft, in dem natürlichen Kräftespiel der Natur, zwischen Wasser und Land, zwischen Himmel und Erde. So, wie das Land dem Einfluss der nahen Nordsee damals deutlicher ausgesetzt war als heute.

Schärft das Licht einer späten, tiefstehenden Sonne die Kontraste und bringt letzte Farbenpracht zum glühen und leuchten, ist es endgültig Zeit für Mystik und Magie zwischen Gotteskoog-See und der Nordsee und anderswo, in weiten Teilen noch eine Gegend wie aus der Zeit gefallen; einsam und still, doch bisweilen voller Dramatik. Ruhig liegt das Wasser des Bottschlotter-Sees, darin spiegeln sich Wolkentürme, dann streicht Wind über die Riedflächen und auf dem Wasser zerfließen die Spiegelbilder zu abstrakten Motiven, erfinden sich neu in Zerrbildern, im Abstrakten. Am Ufer Bäume, die sich vor dem drohenden Himmel seltsam verbogen abzeichnen. Solche Bilder findet der Radfahrer – und mancherorts sieht man sie auch vom Kajak aus – irgendwo im Nirgendwo in den weiten Koog-Landschaften Nordfrieslands.

Dann wieder erreicht man kleine Dörfer, eng und geduckt stehen die Häuser auf den Warften. Dahlien und Sonnenblumen blühen in verschwenderischem Blau und Gelb, die Bauerngärten strotzen vor Farbe und die Gehöfte strahlen Ziegelrot – Bilder wie gemalt. In Farben wie Emil Nolde sie fand und nannte – Himmelblau, Silberblau, Gewitterblau und Feuerrot, Blutrot, Rosenrot. Doch die kühlen Böen von der nahen Nordsee künden schon von der drohenden, dunklen Jahreszeit; sie rascheln und rauschen durch Bäume und Büsche. Es ist Zeit und Ort für Ausflüge ins Traumhafte, wenn Wolken und Licht zu spielen beginnen und grandiose Naturbilder in diese Weite zaubern; es ist ein herrliches Gefühl einer gewissen Verlorenheit und eins zu sein mit einer phantastischen Natur hier unterwegs zu sein und sich treiben zu lassen.

Es wird Abend in der Wiedingharde und es beginnt eine Zeit der Phantasie und einer seltsamen Dämmerungserfahrung. Der Gotteskoog-See ist von Röhricht und Erlenwald umstanden, seltene Vögel leben hier. Das heutige Biotop entstand vor rund dreißig Jahren durch Renaturierungsmaßnahmen, es wird nun wieder so aussehen wie zu Noldes Zeiten – bevor große Teile der Landschaft trockengelegt und urbargemacht wurden. Wieder seine Bilder. In der Dämmerung ist es eine düstere Landschaft und von geheimnisvollen Gestalten bevölkert: Plötzlich taucht am Himmel über dem nördlichen Nordfriesland eine verrückte Traumgestalt auf.

Ein irres Luft-Ballett vor dem Licht der untergehenden Sonne – perfekte Wellenbewegungen, in sich drehend, nach oben rasend, nach unten stürzend. Wahnsinn; voll stürmischer Bewegtheit und plötzlich verschwunden in friedvoller Ruhe. Es bleibt nur Staunen. Synchron wie ein einzelner Organismus und doch sind es hunderttausende von Vögeln, die dieses einmalige Naturschauspiel über dem Himmel Nordfrieslands aufführen – es ist der Tanz der Stare. Die Vögel sammeln sich im Herbst über den Marschen an der Nordseeküste und an der Grenze zu Dänemark ist die Show vielleicht am spektakulärsten. Kleinere Aufführungen sind aber auch andernorts oft zu sehen. Die Stare leben tagsüber verstreut und treffen sich abends auf der Suche nach einem Schlafplatz zusammen.

Als die Dämmerung beginnt, treffen immer mehr Scharen dieser Vögel am Horizont auf, mehr und mehr verschmelzen sie, beinahe meint man ein Brausen und Rauschen zu hören. Atemberaubend und ein Gänsehautgefühl nicht nur wegen der abendlichen Kühle. Und dann beginnt der Tanz; es ist wild, es ist irre, es ist voller Poesie – es ist jenseits der Begreifbaren. Es sind diese geheimnisvollen Kreaturen und Bilder mit Tendenz zum Mystischen, so wie sie Nolde hier in der Wiedingharde fand und malte. Und dann ist dieses Bild der sagenhaften, riesenhaften Vogelgestalt plötzlich verschwunden wie ein Traum, den man nicht festhalten kann. Phantastisches Nordfriesland, wunderschönes „Nolde-Land“.

Auf einen Blick:

Nolde Stiftung Seebüll
Seebüll 31
25927 Neukirchen

Noch bis zum 30. November 2016 ist die 60. Jahresausstellung
„Emil Nolde – Das Spätwerk“ in Seebüll zu sehen.
Öffnungszeiten: täglich 10–18 Uhr

Telefon +49 (0)4664-983930, Telefax +49 (0)4664-9839329
www.nolde-stiftung.de, info@nolde-stiftung.de

Vogelzug –

Wer kennt schon das Odinshühnchen? Im Herbst rasten Millionen Zugvögel an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins – und nicht wenige bleiben als Wintergäste. Wenn die großen Schwärme mit sehnsuchtsvollen Rufen fliegen oder Zehntausend Vögel auf den Wiesen stehen – dann ist das ein Naturschauspiel auf großer Bühne mit Gänsehautgarantie. Apropos: Gänse, die kennt man ja. Aber es gibt auch viele andere gefiederte Gäste; da lohnt es sich, einen genaueren Blick hinzuwerfen. Denn wer kennt es schon das Odinshühnchen? Oder das Wintergoldhähnchen:

Letzterer ist ein ganz Niedlicher und Christel Grave vom Verein Jordsand hat ihn in der vergangenen Saison am Ufer des Rantumbecken auf Sylt entdeckt – übrigens ihrer Meinung nach eines der besten Beobachtungsreviere an der ganzen Westküste. „Ich habe ihn im Gebüsch an der Landseite des Rantumbeckens entdeckt.“ Das Wintergoldhähnchen lebt im hohen Norden und zieht im Winter an die Nordsee. „Er ist der kleinste Vogel Europas“, sagt Christel Grave, „…und er ist so süß mit seinem lustigen Clownsgesicht und dem goldgelben Scheitelschopf!“ Grave betreut die nordfriesischen Schutzgebiete des Vereins Jordsand und ist häufig auf Sylt. Dort trifft man sie dann meist auf dem Damm, der das Rantum Becken umgibt. Fernglas um den Hals, das Spektiv in der Hand und immer auf der Suche nach einem gefiederten Star; sie lässt Gäste gern durchs Glas schauen. Vielleicht sind´s Schneeammern – von Grönland mal eben nach Sylt gezogen. Im Rantumbecken kann man natürlich auch Enten- und Gänsearten beobachten, die aus Sibirien oder Skandinavien kommen – im Winter gibt es hier allein zehn Entenarten! Zehn. Nein, langweilig wird es beim Vogelbeobachten auf Sylt sicher nicht. Das Nahrungsangebot ist dort gut und wenn bei Hochwasser die Vögel, die sonst im Watt nach Nahrung suchen, sich nahe des Dammes oder im Becken aufhalten, wird die Dichte noch größer. Dass man im Sommer am besten Vögel beobachten kann, ist übrigens ein Trugschluss, die Zeit des Vogelzuges ist die beste Zeit dafür – viele einheimische Arten sind noch da, manche Gäste sind aber schon eingetroffen. Das schafft diese faszinierende, überraschende Vielfalt. www.jordsand.de

Auch der Hauke-Haien-Koog ist ein idealer Platz zur Vogelbeobachtung – und ebenso künstlich geschaffen wie das Rantumbecken. Auch hier beobachtet Christel Grave vom Verein Jordsand, hat manchen Tipp, reicht wieder das Fernglas – und das da vorn sind Nonnengänse. Mit der schwarzen Haube und dem schwarzen Hals und dem schwarz-weiß gestreiften Gefieder sehen sie tatsächlich ein bisschen aus wie Nonnen. Und dahinten hat sie Silberreiher entdeckt – Silberreiher sind weiß, die anderen sind Graureiher. Und besonders anmutige Tiere tauchen im Sichtfeld auf – Schwäne. Und hier eben nicht nur die eine Sorte aus dem Stadtparkteich, sondern „…auch ein Singschwan. Er hat einen wunderschönen, tiefen, trompetenhaften Gesang.“ Beeindruckend. Auch an Enten gibt es am Hauke-Haien-Koog fast das volle Programm Man kann um die Speicherbecken herumfahren – und sieht immer wieder neue Arten. Eine Bekassine ist zu hören und vielleicht bald wieder ein Schwan. Manchmal ist es auch schön, nur dem Wind und den Vogelstimmen zu lauschen. www.jordsand.de

In der vergangenen Saison entdeckte der Nationalpark-Ranger Michael Beverungen etwas sehr Rätselhaftes: Eine Gans, die der Experte nicht bestimmen konnte – „…mit schwarzem Gefieder, hellen Wangen, kurzem Schnabel und orangeroten Füßen sah sie aus wie eine Mischung aus Nonnen- und Bläss- oder Zwerggans.“ Konnte das sein? Eine unbekannte Art im Vorland nahe Friedrichskoog, Dithmarschen? Zu entdecken gibt es beim Vogelkiek immer etwas; aber so was? Beverungen schickte ein Foto an seinen Rangerkollegen Martin Kühn. Und der Vogelexperte bestätigte, dass eine Nonnengans bei diesem Paarungsergebnis sicher eine Rolle gespielt hat. Und der andere Teil? Bleibt rätselhaft. Sicher aber Zwerg- oder Bläßgans; Wer da was mit wem hatte, das bleibt ein Geheimnis dunkler Dithmarscher Nächte. Überraschungen bei „Gänsesafaris“ also auch für Experten, für Urlauber dürfte eine solche Expedition in die einsamen Vorländer an der Elbmündung immer ein Erlebnis sein – der Tourismusservice Friedrichskoog führt Urlauber im Rahmen einer Safari auf die Spur der Nonnengänse. „Außerdem können wir hier auch die seltene Zwerggans und die schöne Rothalsgans sichten“, sagt Astrid Loges, „sogar einzelne Polarmöwen verirren sich manchmal hierher.“ Nonnengänse leben an der Küste des Eismeeres und erreichen Schleswig-Holstein in ihren langen Band- und V-Formationen je nach Wetterlage ab Ende September. „Unsere Gänsesafari führt Sie zu verschiedenen Futterplätzen im Vorland, an denen Naturliebhaber bis zu Zehntausend Gänse vom Deich aus mit Ferngläsern und Spektiven beobachten können.“ Hier können sich die Gäste auch selbst als Vogelzähler versuchen und mit einer Zähluhr die Größe des Schwarms ermitteln – die Ranger erklären, wie das geht. Zu hören ist nur das Gänsegeschnatter und das ewige Lied des Windes. Und wieder zieht ein langes Band in V-Formation heran, dreht Kreise und lässt sich nieder. Und wer weiß, welcher Überraschungsgast wieder dabei ist. Auch die Ranger werden wieder ganz genau hingucken. Termin Gänsesafari: 26. Oktober, 12 Uhr, Tourismusservice Friedrichkoog, eigener PKW erforderlich, Kosten 12,-€ p.P. www.friedrichskoog.de

„Helgoland ist der Ort in Europa mit der größten Anzahl an Vogelarten! Aktuell 433 Arten haben Vogelbeobachter bisher notiert. Wer an wenigen Tagen möglichst viele Arten sehen möchte, sollte im Oktober kommen“, sagt Jochen Dierschke, Technischer Leiter der Inselstation des Instituts für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“ und selbst leidenschaftlicher Vogelbeobachter. „Dann nämlich, im Oktober, gipfelt der Herbstzug und es können über 100 Vogelarten an einem Tag beobachtet werden. Die kleine Insel ist ein wichtiger Trittstein für die lange Reise von der Arktis bis nach Afrika – sie liegt in einem Hauptzuggebiet“, erklärt Dierschke. Und zwar für Zugvögel auf dem Flug über die Nordsee zur Zwischenlandung, zum „Auftanken“ und bei schlechtem Wetter als Notlandeplatz. Die Arten, die Dierschke aufzählt, sind andere als an der Westküste. Rot- und Singdrossel aus den skandinavischen Wäldern sind es, die in den Gebüschen auf Helgoland rasten. Wiesenpieper, Braunkehlchen und Steinschmätzer nutzen dagegen die Helgoländer Wiesen auf dem Zwischenstopp. „Unter den häufigen Durchzüglern lassen sich immer wieder auch in Deutschland sehr selten auftretende Arten finden, die auf dem Zug in eine falsche Richtung geflogen sind. Dies können Goldhähnchen-Laubsänger und Spornpieper aus Sibirien sein – das Salz in der Suppe für viele Vogelbeobachter.“ Vogelbeobachter kommen im Herbst in ebensolchen Scharen nach Helgoland wie die Vögel selbst, vor allem zu den Helgoländer Vogeltagen im Oktober. Da findet auch das alljährliche „Birdrace“ statt –Zählen um die Wette. Jochen Dierschke macht auch mit. „Wenn die Sonne aufgeht, wimmelt es in den Büschen, gleichzeitig ziehen Vögel über einen rüber oder weit draußen auf See – man weiß gar nicht, wo man zuerst hingucken soll.“ Wichtiger Faktor für das Beobachter-Glück ist das Wetter: „Eine besonders hohe Anzahl an Arten und Individuen gibt es, wenn in den Aufbruchsgebieten der Zugvögel gutes Wetter ist und die Vögel über der Nordsee in schlechtes Wetter geraten. Bei solchen Wetterlagen fallen nachts oft viele Tausend Vögel auf der Insel zur Rast ein.“, erklärt Jochen Dierschke. Den Vogelzug kann am besten vom Mittelland aus erleben, während die Rastvögel sich im Herbst gerne an den Stränden von Insel und Düne aufhalten. An guten Zugtagen kann man aber überall auf der Insel Vögel beobachten. www.vogelwarte-helgoland.de ; www.helgoland.de

Stampede im Speicherkoog – in wildem Galopp rast eine Herde urtümlicher Pferde über die weiten Flächen des Naturschutzgebietes „Wöhrdener Loch“. Von der schmalen Straße in dieser einsamen Gegend zwischen Meldorf und der Nordsee geht der Blick auf wilde Weiden, auf Teiche und Röhrichte. Was aussieht wie eine ursprüngliche Landschaft, ist in Wirklichkeit eine künstlich geschaffene Welt – vor gut 40 Jahren wogten hier noch die Nordseewellen, dann wurden Watt und Salzwiesen eingedeicht: der Speicherkoog entstand. Die Konik-Pferde beweiden zusammen mit Schafen und Rindern die für den Naturschutz wertvollen Wiesen und tragen damit auch zum Vogelschutz bei. Die Freiwilligendienstler von der NABU-Station „Wattwurm“ haben einige Tipps für das Naturerlebnis Vogelzug im Herbst. „Ich empfehle einen Besuch am NSG Wöhrdener Loch“, sagt BfDlerin Jule Heinz-Fischer, „das fast 500 Hektar große Gebiet ist mit seinen Salz- und Süßwiesen sowie den Wasserflächen ein ideales Rastgebiet für eine große Bandbreite an ziehenden Vögeln, zum Beispiel Goldregenpfeifer und Alpenstrandläufer. Mit dem fortschreitenden Wandel von Salz- zu Süßwasservegetation wandelte sich auch der Vogelbestand von reinen Küstenvögeln hin zu Wiesenbrütern wie zum Beispiel Feldlerche, Kiebitz und Uferschnepfe.“ An den Wasserflächen lassen sich nahezu alle europäischen Entenarten aber auch der Große Brachvogel oder die Pfuhlschnepfe beobachten. Außerdem hat sie noch einen Tipp für Naturfreunde, die speziell ziehende und rastende Singvögel beobachten – und hören – möchten: „Dann besuchen Sie das Naturschutzgebiet Kronenloch. In den Randbereichen ziehen die Sanddornbüsche mit ihren reifen Beeren im Herbst die aus dem Norden stammenden Rot- und Wacholderdrosseln magisch an.“ Ach, übrigens: „Auf einer Schafweide unter dem Deich zwischen dem Wöhrdener Loch und dem Kronenloch gibt es ein Flachgewässer namens Odinsloch“, verrät Jule. Und dort rastet – Nomen est Omen – das eingangs erwähnte Odinshühnchen! www.echt-dithmarschen.de

Tipp:
Vögel „kieken“ beim Westküsten-Vogelkiek
Wer sich auf die Suche nach dem Odinshühnchen und all seinen gefiederten Kollegen machen will, hat dafür beste Möglichkeiten beim Westküsten-Vogelkiek vom 29. September bis 3. Oktober 2016. An diesem langen Wochenende nehmen die Vogelexperten der Westküste Vogelfans und solche, die es noch werden wollen, mit auf diverse Beobachtungstouren.
Von Sylt über die Hamburger Hallig bis Friedrichskoog, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auch als Tagestour mit dem Bus: bei über 25 verschiedenen Veranstaltungen entlang der schleswig-holsteinischen Nordseeküste findet sicher jeder seinen Lieblingsvogel. Weitere Informationen und eine Übersicht über das gesamte Programm gibt es hier: www.westkuesten-vogelkiek.de